Soziales: „In den Farben getrennt in der Sache vereint“ – Ein paar Gedanken zu Katharina Nocuns Artikel: „Die fetten Jahre sind vorbei“

Wenn man sieht was in den USA gerade los ist, mag man sich fragen wo alles noch hinführen wird. Donald Trump hat die EU als „Feind“ der USA klassifiziert, wie unter anderem REUTERS meldet.

Er bezieht sich zwar (vorgeblich (?) ) auf den Handel, aber gerade in den aktuellen Zeiten wo der US Präsident die NATO und die Verpflichtungen des Bündnisses als zu überdenken sieht, ist eine solche Aussage natürlich eine die Schockwellen auf beiden Seiten des Atlantiks auslöst. Auch Steve Bannon nach seinem Abgang aus der Regierung – welches die SOLOTHURNER ZEITUNG aus der Schweiz kommentierte mit „der Stratege geht die Strategie kaum“ – und wenn man die damaligen Umstände sieht war es ja so, das Bannon nach dem „Muslim Ban“ und den Auswirkungen erst mal stark unter Druck geriet und damit auch Trump.

Beide siehen die EU und deren Ideale für die sie steht als Gegner. So will Bannon nun verstärkt mit rechten Gruppen in Europa gegen die EU agieren, so eine Meldung in der HAZ. Der Abgang von Bannon aus der Regierung darf man nicht als Bruch zwischen Trump und diesen sehen. Vielmehr wollte man den Druck auf die neue Administration nehmen und hat dann nun beim Obersten Gerichtshof dieses Einreiseverbot für Muslime durchgewunken bekommen. der USA arbeitet weiterhin zusammen mit Donald Trump, an deren gemeinsame Agenda am „Ende des Westens“ als Wertegemeinschaft. Die EU und deren Ideale und Hoffnung für die sie steht ist nun wenn sich die rechten Ideologen die USA „sichern können“, der Hauptgegner sein steht sie doch für all das was man hofft mit der eigenen Agenda in den USA „überwinden“ zu können. Markus Becker schreibt am 25.7.2018 im SPIEGEL, das Steve Bannon versucht die rechten Parteien in Europa eben für seine Agenda die Ziele der EU und des Westens zu zerstören, versucht zu einer schlagkräftigen politischen Macht zu einigen.

Ebenso wie der US Präsident Trump sieht Steve Bannon die EU als Symbol für einen Weg des Westens welche beide ablehnen. Dazu passt auch die Ernennung des neuen US Botschafters für Deutschland Richard Grennel, der darauf hin beim von Steve Bannon für seine Agenda benutzten rechten Magazin BREITBART, das Ziel seiner politischen Aufgabe im Sinne der US Regierung sieht, die rechten- bis rechtsextremen Bewegungen innerhalb der EU zu stärken, die er hier als „Konservative“ bezeichnet. Dies passt zu den Spannungen zwischen CDU und CSU wo Seehofer, Söder  und andere versuchen die UNION an die rechte Agenda in anderen Staaten heranzuführen. Ebenso versuchen die USA Druck und „Anweisungen“ an Deutschland zu geben, das die deutsche Wirtschaft keine Geschäfte mit dem Iran zu machen habe, wobei dank des Iran-Deals die Sanktionen mit dem Iran aufgehoben wurden und eben durch die erneuten Sanktionen eben die USA und nicht der Iran gegen das Abkommen verstoßen haben und der Iran wie auch die anderen am Abkommen beteiligten Staaten sich weiter diesem Abkommen verpflichtet fühlen.

Es herrscht ein neuer Kulturkampf und die Identität des Westens

 

Katharina Nocun beschreibt in ihrem Blogbeitrag vom 24. Juli 2018 unter dem Titel: „Die fetten Jahre sind vorbei“, gut wie sich dieser Kampf gerade vor unseren Augen abspielt. Wundern tut es nicht versuchte doch immer schon eine konservative Agenda die gesellschaftlichen Veränderungen die seit den 70iger Jahren begannen zurückzudrehen. Helmut Kohls damalige „Geist, moralische Wende“ war damals der erste Slogan der dieses Ziel skizzierte. Nach 1998 unter der rotgrünen Regierung sind zwar viele gesellschaftlichen Reformen angegangen worden, das gleichzeitige soziale Versagen und die Reformen im Sozialstaat durch die Hartz Reformen, ließen jedoch bei vielen die etwas zu verlieren hatten das Gefühl aufkommen das die Minderheiten die durch RotGrün gesellschaftlich profitiert hatten dann ebenso für die misslungene Sozialpolitik der Ära Gerhard Schröder mit in „Sippenhaftung“ zu nehmen sind.

Die seither ansteigenden sozialen Spannungen und die Möglichkeiten im Internet sich auszutauschen und zu informieren, ohne dabei die Fähigkeiten gelernt zu haben manches kritisch zu hinterfragen haben nun eine toxische Menge und Mischung erreicht. Dabei greifen mehre Konflikte ineinander. Einerseits einmal der Generationenkonflikt,wobei es vielen jüngeren Menschen so vorkommt das die ältere Generation nun erst mal die Zukunft der jüngeren zerstört und ihnen Chancen auf eine eigene Gestaltung der Zukunft nimmt, wie die Reaktionen in den USA auf die Wahl von Donald Trump und in Großbritannien auf Brexit waren. Es ist auch ganz klar wie wiederum Katharina Nocun 2013 in der ZEIT in einem Gastbeitrag schrieb das „Unsere Generation hat keine Lobby“, aber anstatt deswegen zu resignieren heißt es für uns nach der Erkenntnis seit 2013 und der Erfahrungen die man in den fünf Jahren danach gemacht hat, das man eben deswegen erst recht kämpfen und zusammen agieren muss. Er bringt nichts wenn man sich vorher schon streitet „wie man das Fell des Bären erlegt“ wenn man noch nicht einmal zur Jagd aufgestanden ist. Viele jüngere Menschen hoffen im „Wettstreit der Ideen“ gerade von den (vermeidlich) authentischen alten Leuten aus der 68iger Generation nach einem Anstoß und einer richtigen Inspiration. Dabei ist dieser Weg etwas naiv haben diese doch in einer ganz anderen Zeit und unter anderen Bedingungen ihre Ideen entwickelt und verinnerlicht, die mit der heutigen sich immer schneller veränderten Welt nicht wirklich mehr passend und „aus der Zeit gefallen“ sind. Daher müssen wir beginnen selbst unseren eigenen Weg zu finden, auch wenn gerade die Umstände so geworden sind, das der tägliche Überlebenskampf einem kaum Zeit zur politischen Beschäftigung gibt.

Der Hass den eine Generation nun auslebt weil ihnen ihr bald anstehender Bedeutungsverlust klar wird und das eben die Welt globaler und vielschichtiger wird, diesen Weg versuchen sie durch Mauern abzugrenzen. Nach innen und außen, im „realen Leben“ wie auch im Internet, physisch und psychisch versucht man Grenzen und Mauern zu errichten. Sie fühlen sich durch den Wandel bedroht und sind mehr und mehr der „Sterblichkeit ihrer eigenen Epoche“ bewusst, welche man so stark es geht versucht aufzuhalten. Dabei sind die Konsequenzen und Verluste welche sie den nachfolgenden Generationen aufbürden egal. Bruce Gibney Autor des Buches: „A Generation of Sociopaths: How the Baby Boomers Betrayed America“ trifft dabei den Nagel auf den Kopf. Durch eine Politik die nur an dem eigenen Vorteil auf ihre Generation ausgerichtet ist, haben sie die USA geschwächt wie auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der Aufstieg der Alt-Right hat ein Klima gebraucht, welches Franklin D. Roosevelt während der „Great Depression“ gerade als Gefahr und Ansporn für seinen „New Deal“ sah um eben die USA vor dem Aufstieg des Faschismus zu bewahren. Die „Reformen“ welche die Boomer für den „freien Markt“ taten und von denen sie gerade selbst profitiert haben,haben genau den Boden geschaffen welchen Donald Trump erst möglich machen und welche Roosevelt zurecht als Gefahr für die amerikanische Demokratie ermittelte.

Das die Boomer nun „die Ausländer“, den „Islam“ und auch die „Millenials“ und „Generation X“ als Gefahr für die Ordnung und Sicherheit so wie für ihre eigene Agenda sehen liegt auf der Hand. Vieles entwickelt sich weiter und die extremen Lösungen von links und rechts sowie in der Wirtschaft sind alle gescheitert auch wenn man es nicht wahrhaben will. Stattdessen sind nur gesellschaftliche Konflikte aufgebrochen weil alle diese Systeme einen Feind brauchen.

Wie Katharina Nocun sagt „die fetten Jahre“ sind vorbei. Es ist wie eine Börsenblase die nun geplatzt ist. Und wo man nun versucht das eigene Versagen durch vermeidlichen Schein wie man am Beispiel von Donald Trump sieht zu überspielen.

Was kann man nun machen? Wo ist der Ausweg aus dem Dilemma gerade für junge Menschen?

 

Wir sollten klar davon ausgehen, das nicht eine einzelne Person oder kleine elitäre Gruppe die Lösung zu allem hat. Die Piratenbewegung da sie international ist, ist da eine gute Sache das man sich vernetzt neue Leute gewinnt und zusammen an Ideen arbeitet. Aber dabei heißt es auch aus der Vergangenheit lernen. Eben das man zuhört und zusammen nachdenkt wie wir diese Katastrophe welche wir erben werden angehen. Nicht in kleine Gruppen und Sekten zerfallen sondern zuhören und zusammenarbeiten und in der Sache streiten. Niemand hat die Lösung und auch wenn wir verschieden sind, so müssen wir weil wir sonst erst recht an den Rand gedrängt werden als junge Generation zusammenarbeiten.

 

Wir sind auf der Titanic diejenigen die unten Eingesperrt werden als das Schiff sinkt, während die Boomer sich in den Rettungsbooten ihr politisches und gesellschaftliches Erbe sichern wollen. Der Hass den sie politisch aufbauen und dabei das Ende der EU so fehlerhaft sie auch ist in Kauf nehmen um durch eine vermeidliche Lösung im Nationalstaat und der Rivalität miteinander ihre Agenda durchzusetzen muss uns alarmieren. Dort wo man beginnt wie in Polen den Rechtsstaat ganz auszuhebeln und auch in Deutschland man es mehr und mehr zulässt wie eine Regierung in NRW die Anweisungen des zuständigen Gericht ignoriert, hat eine ähnliche Qualität wie das was man in den USA sehen kann. Heribert Prantl kommentiert in der SZ sehr klar welche Gefahren darin bestehen für den politischen und gesellschaftlichen Frieden, wenn plötzlich eine Gewalt die Anweisungen der dafür zuständigen anderen staatlichen Gewalt ignoriert. Am Ende kollabiert jegliche rechtliche und damit auch staatliche Sicherheit. Wir schaffen die Freiheit und unsere Werte ab, weil wir sie schützen wollen… Vor wem denn eigentlich? Dabei hofft man so den Zuspruch der AfD zu mindern indem man so wie die AfD wird und anfängt den Staat im Sinne der AfD zu verändern. Es ist so als „würde man aus Angst vor der eigenen Ermordung Suizid begehen.

Man lässt also alles mehr und mehr hochkochen. Dabei liegt es nun an uns jungen Menschen hier einzuschreiten. Sind wir uns auch in so vielen Dingen nicht einig so heißt es für uns auf einige Grundsätzlichen Dinge zu einigen. Es ist auch so, dass gewisse Kritik an gewissen Sachen wie eben auch an gewissen Verhalten auch richtig ist. Die Causa Özil hat vieles aufgedeckt, einmal klar das es ein Problem gibt wieso scheinen gewisse Teile der türkischen Bevölkerung mit Erdogan zu sympathisieren? Aber das heißt dann nicht im Gegenzug das es jetzt das recht der Mehrheitsbevölkerung ist jemanden direkt mit der eigenen rassistischen Agenda ausgrenzen zu sollen. Wenn man für eine autokratische nationale Idee ist, dann hat es bitte die Deutsche Idee zu sein? – Irgendwie beißt sich da die Katze bei vielen Kritikern von Özil in den Schwanz. Aber zeigt auch klar auf wie die Doppelmoral in diesem Land ist.

Genau dieses Aufzeigen dieser Doppelmoral ist es wo wir jungen Menschen ansetzen müssen. Wir müssen diese Gesellschaft daran erinnern, was sie vermeidlich als Anspruch hat und ihr den eigenen Spiegel vorhalten. Dort wo es auch uns selbst manchmal weh tun kann. Wir müssen alte Wahrheiten radikal in Frage stelle und besonnen aber mutig streiten und neue Wege finden. Weil die Welt steht vor einem Umbruch und die alten Ideen werden uns nicht helfen. Wir können nicht zulassen wie ein Nationalismus und das Streben einer Generation mit Hass das Ende ihrer eigenen Agenda auf unsere Kosten aufzuhalten, zu verhindern. Alles muss auf den Prüfstand wir müssen schauen, da wo man vermeidlich liberal ist ist man es durchgehend Konsequet? Sind wir nur da progressiv wo es uns in unseren eigenen Gefühlen nicht beißt, so wie diejenigen die uns angehen? Oder sind wir authentisch und können so dann konsequent die Dinge angehen die vor uns liegen?

Wichtig ist respektvoll auch vor anderen Ideen zu sein, aber dabei klar ist das wir alle den generellen Kurs zusammen bestreiten. Die Ultras bei der NoPolGesetz NRW Demo hatten ein gutes Motto: „In den Farben getrennt, in der Sache vereint“.

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