Politik: Willkommen im Zeitalter der „digitalen Defizite“

Der Journalist und Unternehmer Enno Lenze aus Berlin beschreibt in seinem Blog Gespräche mit Journalisten die bei großen Medienunternehmen arbeiten. Dabei geht es um „Hate-Speech“ und seine Reaktionen darauf und wie man im Internet damit umgeht. Erschreckend ist wenn man seinen Blogpost liest, wie viele Journalisten große Lücken in Sachen „digitaler Kompetenz“ haben und diese Themen die besonders wichtig sind kaum beachten oder große Lücken im Wissen der Journalisten vorherrscht um die Entwicklungen dieser Themen und Gesetze einordnen zu können.

Diese massive Unwissenheit welche sich nicht nur bei der „schreibenden Zunft“, sondern auch in der Politik und Gesellschaft allgemein wiederfindet zeigt wie unvorbereitet Deutschland auf die gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung ist. Gerade da es in der Gesellschaft und auch bei jüngeren Menschen, denen man eine besondere Nähe zum Internet nachsagt, sind die Konsequenzen für den Alltag durch das Netz und wie es von den großen Digitalen Konzernen wie Google und anderen gestaltet wird immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Anstatt dass man selbst eine gesellschaftliche Debatte um „die kommende Zukunft“ anstößt und sich daran beteiligt ist man eher passiv und versucht mit Regulierung den Wandel zu verhindern anstatt zu gestalten. Dies kann man auch bei Heiki Maas und seinem Netz-DG Gesetz und die aktuelle Debatte zu „Hate-Speech“ sehen. Man verfällt in Aktionismus und der Staat soll es irgendwie richten, anstatt dass die Gesellschaft überlegt wie man damit umgeht und sich selbst Regeln gibt. Prof. Dr. Rolf Schulmeier vom Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung der Universität Hamburg schreibt in einem Beitrag dass es die „Digital Natives“ de facto nicht gibt.

Es festigt sich das Bild einer Zwei-Klassen-Gesellschaft der Mitmachanwendungen im Internet und dies wirkt sich auch auf die politische und gesellschaftliche Wahrnehmung des Einfluss des Internets auf die Gesellschaft und die daraus folgende politische Konsequenz aus diesem aus. Es ist eine Minderheit welche aktiv die Inhalte des Netz gestaltet und davon noch einmal eine kleinere Gruppe die sich über die gesellschaftlichen Konsequenzen der Entwicklung durch das Netz Gedanken macht. Dabei werden deren Teilnehmer und politischen sowie gesellschaftlichen Forderungen als „exotisch und fiktiv“ von der Mehrheit wahrgenommen und rezipiert.

Man sieht seine „digitalen Defizite“ auch nicht als Schwäche wird man doch oft im persönlichen Umfeld dafür als „normal und mit der Realität verbunden“ gesehen und bekommt dafür (vermeidliche) gesellschaftliche Anerkennung. Das digitale und eine Kompetenz in diesen Fragen wird entgegen aller politischen Sonntagsreden zum Trotz eher als Stigma gesehen und behindert so die Möglichkeiten auch für die Gesellschaft und Wirtschaft sich mit den Herausforderungen der Zulunft zu stellen. Der daraus resultierende fehlende politische Druck lässt auch die Politik eher hilflos auf die Entwicklungen reagieren und man versucht mit Placebos und Aktionismus eine „Art von Kontrolle suggerieren“ wobei das Netz-DG Gesetz und Hate-Speech nur ein neuer Ausdruck dieses Verhaltens ist. Die anfangs angesprochene fehlende Digitale Kompetenz bei großen Teilen der schreibenden Zunft, verhindert zudem dass man einen Ansporn hat sich den Fragen zu stellen und sich eben eine Kompetenz in diesen Feldern anzueignen.

Um Inhalte scheint es in der Politik nicht mehr wirklich zu gehen. Dies wird auch jetzt im Wahlkampf zur Bundestagswahl klar. Man diskutiert lieber über das Oberflächliche und will sich nicht wirklich intensiv mit den Fragen der Zukunft befassen, da sie einen meist überfordern. Attraktivität der Kandidaten zum Parlament scheint eher ein wichtiges Signal zu sein, doch soll sich das nach einer Studien ändern, wenn mer Frauen auch im Parlament zu finden sind. Man mag das Zwiespältig sehen da nun eine solche Studie draußen ist, kann man sich sicher sein das manche Parteien es versuchen auszunutzen. Millenials scheinen eher mit großen politischen Themen sich zu befassen. So ist in den USA nach dem Sieg von Trump der Zuspruch für „sozialistische Gruppen“ massiv angestiegen.

Stephanie J. Mather schreibt in einer wissenschaftlichen Arbeit, dass in den USA vor allem die Schule dabei den zukünftigen demokratischen Bürger in den USA formt. Für junge Menschen sind so die Autorin politische Informationen über das Internet und Shows wie die „Daily Show“ wichtig in der politischen Meinungsfindung.

Doch man nutzt das Netz mehr wie ein Auto und versteht dennoch nicht die Hintergründe und Auswirkungen des Netz auf die Gesellschaft. Diese Veränderungen kommen auch gar nicht in der Berichterstattung vor da viele Journalisten wie Enno Lenze anfangs in seinem Beitrag beschrieb, ihr Wissen über das Internet und die Debatten welche das Internet und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft eher noch Lernbedarf haben. Durch fehlende Mulitpikatoren und auch durch fehlendes Wissen im persönlichen Umfeld der jüngeren Wähler kann man so kaum darauf hoffen, dass man am Ende ein eigenständiges Umdenken im Bezug auf diese Themen finden wird.

Diesen Teufelskreis zu durchbrechen wird Aufgabe der PIRATEN sein, wenn man wieder sich daran machen will bei Wahlen gut abzuschneiden und alle Mitglieder und Teile der Partei sollten daran gehen in ihrem nahen Umfeld, weil dies die Leute sind die man am besten Erreichen kann für diese Themen zu sensibilisieren. Nur so kann man in Teilen der Gesellschaft die „digitalen Defizite“ abbauen. Dabei ist es notwendig auch die Digitalisierung in einem größeren allgemein politischen Kontext zu stellen und mit einer neuen politischen Leitlinie zu verstehen. Als PIRATEN will man von uns in diesen Zeiten dass wir weniger „klein-klein“ Denken sondern man erwartet von uns einen Generalentwurf.

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