Politik: Die Widersprüche der politschen Debatte bei manchen jungen Menschen

Interessant ist es wenn junge Menschen plötzlich weil sie Googlen und die Überschriften in Zeitungsartikeln lesen, nun sagen es ist eine „seriöse Debatte“ in Deutschland im Gange, ob wir ein souveränes Land sein könnten. Dabei wird der 2+4 Vertrag ignoriert welchen viele nicht kennen und wenn behaupten sie, da er keinen „schicken Namen“ trägt nicht ein Friedensvertrag ist. Dabei muss man genau reinschauen, denn wenn man die Londoner Konferenz nach dem Krieg kennt, weiß man dass eigentlich nach dem Friedensvertrag in klassischer Sicht Deutschland dann mit Reperationsansprüchen nach dem zweiten Weltkrieg konfrontiert werden würde. Da man dies 1990 vermeiden wollte nannte man den 2+4 Vertrag anders, obwohl er völkerrechtlich als Friedensvertrag für den zweiten Weltkrieg gesehen wird.

Interessant war auch wie dieser junge Mann dann argumentierte, dass er im Internet gelesen hat dass man viel zu „schlimm mit Russland umgeht“. Klar man muss überlegen ob der Weg der Konfrontation mit Russland so die Lösung ist. Man kann zurecht auf der einen Seite streiten ob man nach 1989 mit der NATO Osterweiterung in Russland ein Gefühl der Bedrohung ausgelöst hat und Russland zu sehr „demütigte“ weil man Moskau und seiner Bevölkerung erst mal in den 1990igern klar machte, dass es außenpolitisch die „zweite Geige“ sei. Dennoch sind viele Völker wie die Tschechen oder die Polen auch in Sorge vor einem neuen und starken Russland gewesen, mit dem sie historisch schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Und wieso sollte man wenn man fair ist, die russischen Gefühle einem wichtiger sein als die der Tschechen, Polen und auch die Ukrainer – die ebenfalls gerne in die EU und NATO wollen?

Wer sagt es uns Bürger als „Salonpolitiker“ und Kommentatoren die in einem freien Land leben, denn in Putins Russland wäre man für die Triaden im Netz nicht nur mit einer milde Geldstrafe davon gekommen sondern, säße für viele Jahre im Gefängnis oder es passiert ein „Unfall“. Wenn die Opposition im Gefängnis sitzt was man auch in der Türkei sehen kann, dann wundert man sich wenn manche über eine „Merkel-Diktatur“ reden. Angela Merkel hat jedenfalls nicht angefangen nun die AfD zu verbieten und Razzien durchzuführen und alle diejenigen die im Netz ihren Hass von sich geben massenweise für Jahre wegzusperren. Es sind nicht in der Türkei binnen kurzer Zeit zehntausende Deutsche hinter Gittern verschwunden. Auch haben wir in Deutschland einen Rechtsstaat, dass heißt bei uns kann man unabhängig von Ansehen und Einkommen sein Recht bekommen. Man wundert sich auch wie wenig man doch in Deutschland heute unter jungen Menschen weiß wie politisch dieses Land funktioniert und wie wenig man über die politischen Prozesse und Entwicklungen die zum heute führen Bescheid weiß. Aber wenn wundert es, wenn man in der Schule wenig über die politische Kultur und Struktur dieses Landes mitbekommt und wie sehr man lieber wirtschaftsfreundliche Themen und Paradigmen dran nimmt. Wenn in Geschichte der Schwerpunkt (leider) zu sehr auf der NS Zeit liegt, aber dann nicht die kritischen Entwicklungen wie es historisch dazu kommen konnte und in der nötigen Tiefe damit man es als Mahnung verstehen kann, sondern mehr so in einer oberflächlichen moralisierenden Betrachtung herangegangen wird. Da bleibt leider die Mahnung und die Sensibilität wieso man den „Anfängen sich entgegenstellen muss“ und wie sehr diese Zeit auch heute wieder in Deutschland und in der Welt passieren kann nicht beim Schüler hängen.

Gerade diese Mischung aus Empörung und Halbwissen sorgt dafür, dass man im Internet sich jeden Unsinn durchliest und da man kaum in der Schule lernt kritisch mit Quellen umzugehen nimmt man schnell vermeidliche seriöse Quellen für bare Münze. Wenn man sich nun daran macht und genau schaut was es Bedeutet was so die „Kritiker“ von sich geben und auf der einen Seite von einer Diktatur sprechen auf der anderen Seite andersdenkenden alle Rechte absprechen, dann weiß man das am Ende es nicht um Freiheit geht. Freiheit ist auch immer die des Andersdenkenden und das was sie für sich einfordern gestehen sie anderen nicht zu.

Dieses Denken findet man nicht nur bei der AfD und den jungen Menschen die er AfD oder in den USA Donald Trump nahestehen. Damit macht man es sich hier viel zu leicht. Gerade die Linksdenkeden Leute sollten sich nicht moralisch besser sehen und als eine Gruppe die diesen Sachen nicht erliegen können. Wenn man sich nun einmal viele junge Leute ansieht, welche der LINKE nachrennen und sie wählen, so argumentieren viele dass man ja das Soziale Programm ganz gut findet. Aber die Vollbeschäftigung und die vielen Arbeitsjahre wird es auch technisch bedingt und wie die Entwicklungen in der Wirtschaft selbst im positiven Sinne sein werden, für uns nicht mehr geben. Die LINKE plädiert für eine Utopie welche den technischen Fortschritt und das digitale Leben welches gerade die jungen Menschen lieben und im Netz propagieren, gerade zuwider. Es ist verrückt wie man manche Parolen und Parteien unterstützt und wählt und dabei die Positionen die einem persönlich nahestehen dem Dogma zuliebe ignoriert. In der Demokratie ging man davon aus, dass der Bürger anhand seiner Interessen die Partei und die Leute wählt die sie am besten vertreten werden. Dabei werben die verschiedenen Gruppen und Kandidaten um die Stimme des Bürgers. Wenn ich mir den NRW Wahlkampf im Netz ansehe wundern mich die Debatten wie manche Leute fordern, da man als Partei eh keine Chance hat dass man dann ganz mit dem Wahlkampf aufhören soll, weil man sich belästigt fühlt und dann dies noch mit einer gewissen Häme sieht. Ist dieses Verhalten nicht gerade undemokratisch und hilft nicht gerade den politischen Wettbewerb zu nutzen und gerade die Pluralität unserer Demokratie, die wir doch alle in Sonntagsreden beschwören zu leben.

Ich bin sehr erschüttert, dass in der Heutigen Welt und gerade wo ein Donald Trump in den USA, wie auch ein Herr Erdogan in der Türkei zeigen wie fragil die Demokratie sein kann man lieber diese Demokratie in Deutschland verhöhnt und mit ihr im Alltag und in Debatten spielt und ein radikales demokratiefeindliches Denken mehr und mehr in den Köpfen Einzug hält. Leider auch bei uns jungen Menschen, was ich vor 10 Jahren nicht für Möglich hielt und was mich erschüttert.

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