Politik: Das Tollhaus der Politik und die Aufgabe „der Medien“

Wenn man sich umsieht, stellt man sich langsam die Frage ob die Welt in ein „Tollhaus“ sich verwandelt. In Deutschland hat man es vergleichsweise gut, so dass bei der kommenden Bundestagswahl wohl Angela Merkel wahrscheinlich wieder Kanzler ist. Man mag abwarten ob die SPD es schaffen wird und über Martin Schulz breitet sich eine Menge Häme aus, weil viele ihn von seinem sozialen Hintergrund nicht für einen „passenden Kanzler“ halten. Man mag abwarten, wie weit solch ein elitäres Denken, was man auch in einigen Zeitungen wenn es um Martin Schulz geht nachlesen kann am Ende über uns selbst als Gesellschaft aussagen wird.

 

Was sicher interessant aus einer soziologischen Sicht ist, wie die Gesellschaft nun beginnt sich durch die Digitalisierung zu verändern und wie viele der Leute die Digital außen vor sind sich über die Lebensweise der „Digital Natives“ verwundert lustig machen. Als die PIRATEN damals die politische Landschaft für einen kurzen Augenblick erhellten, machten sich viele über die Lebensweise und Denkweise der „digitalen Generation“ und ihrer Wege sich öffentlich zu äußern lustig und man nahm sie als Exoten von einem anderen Stern wahr. Als die PIRATEN sich anmachten zu einer ernstzunehmenden Größe in der Bundesdeutschen Politik zu werden, kam ihnen von den „alten Eliten“ und der Generation die dem Wandel kritisch und mit Unverständnis begegneten „Hass“ und man nahm sie als etwas wahr was man zu bekämpfen hatte. Die PIRATEN passten für viele von ihrem Denken und ihrem sozialen Hintergrund und Wesen nicht „zu den Leuten die ernsthaft Politik machen können.“ Gerade das unideologische und mehr den realen Problemen herangehende Kalkül welches die PIRATEN unabhängig von politischen Opportunismus in den Parlamenten bringen wollten, stieß auf Unglaube. Wenn die Partei mit den Möglichkeiten, dass sie nun im Parlament saß Widersprüche zwischen politischer Rhetorik und politischem Handeln bei den anderen Parteien aufzeigte, wie zum Beispiel bei den GRÜNEN, so hatte es wenig mediales Echo da es wie manche PIRATEN zynisch anmerkten, die „falsche Partei“ aufwerten würde.

Als Beispiel sind die GRÜNEN und ihr Umgang mit Cannabis zu nennen. So gab es in der FAZ 2015 den Bericht, wonach die GRÜNEN ein Gesetz in den Bundestag einbringen wollten um Cannabis in Deutschland zu legalisieren. Die GRÜNEN bekamen damals einiges an Medienecho, wie unter anderem im SPIEGEL. Im gleichen Jahr hatte der Stuttgarter Oberbürgermeister aber die Demonstranten beim „Global Cannabis March“, laut PIRATEN einer „Repressionsorgie“ durchlaufen lassen. Auch Man sieht, wie weit die GRÜNEN zwischen Anspruch und politischer Realität sich so sehr widersprechen, dass die PIRATEN in Schleswig-Holstein (natürlich auch weil Wahlkampf ist), diese wenig Thematisierten Tatsache in einem Flyer zusammenfassten. Dennoch greifen es viele Medien nicht auch, und so kommt es nicht zur einer Korrektur auf Seiten der GRÜNEN, auch wenn man sich real politisch unglaubwürdig macht. Man verbreitet lieber ein Bild über die GRÜNEN, dass diese immer noch für den Fortschritt sind und die LINKE die teils zentralisiert und wenig transparent und mit Möglichkeiten der Partizipation durch die Mitglieder agiert, bekommt den „Nimbus“ sich für den „kleinen Mann“ einzusetzen. Dabei ist es egal ob die Lösungen von Gestern sind und man ignoriert auch die Demokratiefeindlichen Äußerungen wichtiger Politiker der LINKE wie man am Echo auf die Rede zur „DDR 2.0“ von Oliver Höffinghoff bei den LINKEN in Berlin sehen konnte.

Haben nun die Thesen der AfD und ihrer Anhänger das wir eine „Lügenpresse“ in Deutschland haben denn nun also Recht?

 

Um es direkt zu sagen, dass „die Presse“ in Deutschland generell lügt ist totaler Unsinn. Wir haben alles in allem eine gute Presselandschaft, die jedoch teils einige Fehler macht und Widersprüche liefert, die in der heutigen Zeit schnell zu gefährlichen Entwicklungen führen können. Dies ist darin bedingt dass in den Redaktionen man schnell Geld machen muss, was nicht wundert schließlich leben wir im Kapitalismus. Und Medienbetriebe sind Wirtschaftsunternehmen und der Vorwurf vieler „die Medien“ würden nur noch „Schrott bringen“, kann man entgegenbringen dass die Leser und Konsumenten ja genau die Nachrichten bekommen, die sie im Netz viel anklicken und viel Kommentieren. Man ist also selbst dafür verantwortlich was „die Medien“ an Nachrichten bringen. Man kann nicht das eine Ideal predigen und das andere in der Realität machen.
Wasser predigen und Wein saufen findet man gerade auch viel bei denjenigen welche „die Medien“ unter dem Slogan „Lügenpresse“ angreifen. Man sieht es auch gut daran, wie kritisch man dem Westen und seinen Medien eingestellt ist und blind „Russia Today“ und den Kreml Medien nachrennt. Dies zeigt klar, das wir heute im Zeitalter der Digitalisierung ein gravierendes Problem eher darin haben, wenn man auch auf die Situation wie manche Medien agieren, dass man lieber das liest und schreibt was die „eigene Wirklichkeit“ und den eigenen Standpunkt der sozial und historisch gewachsen ist nicht in Frage stellt.

Anette Meiritz und ihre Berichte über die PIRATEN im SPIEGEL zur Hochzeit der Piratenpartei verdeutlichten dieses Verhalten sehr gut. Eine kritische Auseinandersetzung zu ihrer damaligen Berichterstattung und derer weiterer Kolleginnen mit einem ähnlichen Sozialen und politischen Hintergrund findet sich auf dem Blog des Anwalts Markus Kompa der sehr kritisch über ihre Rolle in dieser Zeit schrieb, und auch weitere Akteure in dieser Zeit von Seiten der Presse kritisch auf die Motivation welche hinter den Berichten über die PIRATEN standen untersuchte.
Ein eigenes kritisches Hinterfragen der eignen Position steht Medien und PIRATEN gut zu Gesicht und es mag eine gewisse Verwunderung bei manchen PIRATEN sein, wieso man die AfD quasi „hofiert“ und auf die geplanten Provokationen von Seiten der Rechten „reinfällt“ um dann ihnen Aufmerksamkeit und sich selbst Quote zu geben. Gerade der Sieg von Donald Trump und die Konsequenzen die daraus innen- wie außenpolitisch entstanden sind, sollten alle Akteure in Politik und Medien zu Denken geben.

 

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