Soziales: Die Digitalisierung als vermeintliche Gefahr – Wie man vor Wandel die Augen verschließen will

Man macht die „Digital Natives“ verantwortlich, dass sie in ihrem Gebiet dem Internet gegenüber der Angst welche dort herrscht und in Exzesse wie PEGIDA und die AfD münden, versagt haben. Die Natives haben es nicht so der Artikel geschafft eine neue positive Energie durch das Netz in die Gesellschaft zu tragen. Im Kern kann man sagen, dass dem positiven Gedanken welche die PIRATEN durch das Netz und die Veränderungen damit einhergehen, durch die negativen Ergüsse die aktuell durch viele beigetragen werden, sich in einen neuen Horror verwandeln. Dies könnte und kann die Grundfesten der (bisherigen) Gesellschaft erschüttern.

Die FAZ sieht die Digitalisierung in der Bildung als Problem und Gefahr für den mündigen Bürger und gebildeten neuen Akademiker. In einem Artikel über die Digitalisierung und die Auswirkungen auf die Studenten, titelt sie: „Entmündigung als Bildungsziel“. Auf der anderen Seite versucht Lisa Becker in der selben Zeitung die Angst vor dem Digitalen in der Schule in einem Kommentar zu nehmen. Wieder in der FAZ erscheint am 8.9.2016 ein Bericht der auf einer Umfrage von Allensbach basiert, dass die „Mittlere Generation“, also die Leute zwischen 30 und 59 Jahren von Angst getrieben sind. Vor allem die Angst vor Altersarmut und Kriminalität würde die Leute umhertreiben so der Artikel.

In einer Studie der Fujitsu Stiftung wurde konstatiert, dass es aber keine „German Angst“ in deutschen Unternehmen, vor der Digitalisierung geben soll so ein Bericht auf dem Portal „IT-Buisness. Die Innovation Alliance hat eine Studie in Auftrag gegeben, wie Mittelständische Unternehmen die Digitalisierung und die damit Verbundenen herausforderungen sehen und kommt zu dem Fazit: Das jeder Dritte Angst im Umgang mit der Digitalisierung sieht. Interessant ist auch, dass in dem Bericht das Thema Angst vor dem Digitalen hervor gehoben wird. Caroline Freigang schreibt in einem Beitrag in der schweizer „Handelszeitung“, dass „Digitalisierung Menschen nicht verunsichern“ sollte. Das die Angst gerade bei der Generation der Lehrer wie schon oben erwähnt, verbreitet ist merkt man. Die ZEIT titelt zum Zustand der Digitalisierung an Schulen in Deutschland, dass man vor den Digitalen Veränderungen keine Angst haben sollte.

Dabei merkt man, dass viele durch die Digitalisierung und die anstehenden Veränderungen viele am liebgewonnen Status Quo und ihren eigenem sozialen Status und den damit verbundenen sozialen und politischen Gewissheiten zweifeln.

Stefan Dörner Chefredakteur beim Nachrichtenportal „t3n“ versucht dieser Angst vor der Digitalisierung mit einem „Rezept gegen deutsche Digitalisierungsangst“ entgegenzutreten. Er fordert einen Ausbau des Sozialstaates. In seinem Bericht hat sich gerade der politische Wind im Silicon Valley gedreht und der Ausbau des Sozialen wird dort von vielen Menschen befürwortet. Dies sollte PIRATEN nicht verwundern, da gerade wir schon früh auf diesen Umstand hingewiesen haben und deswegen als eine der ersten auf die notwendige Einführung eines BGEs hingewiesen haben. Das die Digitalisierung nun auch Auswirkungen auf die Gesellschaft hat, scheint viele Beobachter zu verwundern. Die „Frankfurter Neue Presse“ beschreibt es als, „[d]as Smartphone als Organ“und beschreibt den für sie ungewohnten Zustand, dass für viele Menschen die doch getrennten Welten des Digitalen und des „Realen“ miteinander zu verschmelzen beginnen.

Für einen PIRATEN und auch jemand der sich mit der Veränderung der Gesellschaft durch neue technologische Prozesse beschäftigt mag es zum Schmunzeln anregen, dass viele Menschen so verwundert sind. Alleine ein Blick in die Geschichte reicht aus, um zu zeigen dass diese Prozesse nicht neu sind. Es gibt unzählige wissenschaftliche Beiträge und Untersuchungen wie die Industrialisierung im 19. Jahrhundert die Gesellschaft im Westen und darüber hinaus maßgeblich veränderte und neu gestaltete. Das es nun mit der Digitalisierung anders sein sollte, kann man alleine dadurch als „naiv“ bezeichnen. Doch auch damals war es den Zeitzeugen die in diesen Prozessen steckten nicht bewusst und gerade bis die damalige Arbeiterklasse ein Bewusstsein wie Marx es beschrieb entwickelte und sich dann politisch organisierte und den Status Quo herausfordern sollte, dauerte es eine gewisse Zeit. Die Geschichte der Arbeiterbewegung und die frühe Geschichte der SPD und vor welchen Herausforderungen sie stand und wie sie sich verhielt, sollte PIRATEN im Bezug auf den politischen Weg welcher der Partei in Deutschland aber auch der Piratenbewegung im ganzen vor sich liegt, Beispiel und Mahnung zugleich sein.

 

Aber zurück zu den aktuellen Gegebenheiten in Deutschland und der Angst vieler vor den gesellschaftlichen Veränderungen welche die Digitalisierung mit sich bringt. Ich beschrieb an einem extremen sozialen Umfeld und zwar den psychiatrischen Wohngruppen, wie die Angst der Betreuer welche Veränderungen als „Gefahr für ihre Schützlinge“ sehen, zu einem (misslingenden) Versuch führt diese von der Digitalisierung abzuschneiden. Dieses extreme Beispiel steht stellvertretend für das Ringen welches sich quer durch die Gesellschaft zu diesem Thema zieht. Hier parallen unterschiedliche Lebenswelten aufeinander und man kann es als neues Ringen um die Gestaltung der Moderne bezeichnen.

Das Ringen um die Digitalisierung in welcher die „Digital Natives“ und ihre Ideen als „irrational“ noch gesehen werden und man ihr Denken, dass sich von der Lebenswirklichkeit der gesellschaftlichen Eliten auf allen Ebenen unterscheidet ist die Konfliktlinie welche sich in allen gesellschaftlichen Debatten in Deutschland gerade finden lässt. Das Thema „Fake-News“ und die Erkenntnis dass Facebook und andere Faktoren gerade zu einem realen politischen Wandel in den USA beigetragen haben und die drohnenden Veränderungen die sich in Frankreich abzeichnen, scheint nun auch denen welche bisher die Augen vor der Digitalisierung verschlossen haben, aufzuzeigen dass das Netz und seine Facetten nicht isoliert agiert.

 

Was kann man nun als Digital Native machen?

 

Als Digital Native mag man mit einer gewissen Schadenfreude vor all dem stehen. Man weiß, das am Ende die Skills und die Fähigkeiten welche diese schon besitzen, mit der Zeit immer mehr an Wert gewinnen werden und man an gesellschaftlichen Einfluß gewinnen wird. Man wird sozusagen, die „neue Avantgarde“ werden und Ideengeber sein welcher fasziniert und zugleich verwundert.

Dennoch sollte man sich darauf nicht ausruhen. Der Aufstieg von Donald Trump und die Debatte über Fake News zusammen mit dem Wiederauftreten des Faschismus in der Welt, zeigt dass man ähnlich wie in den 1930iger Jahren vor einer Zerreißprobe politisch wie gesellschaftlich steht. In dieser Phase in welcher wir uns befinden, ist es Zeit Farbe zu bekennen und sich politisch und gesellschaftlich verstärkt zu engagieren und seine Stimme zu erheben. Man kann nicht warten, dass jemand anderes die Sache für einen regelt, so wie viele es bei Brexit und den US Wahlen dachten und erst als das „Kind in den Brunnen gefallen war“ begannen zu protestieren und aktiv zu werden. Diese Naivität ist gefährlich und in dem aktuellen Ringen um die Gestaltung der Zukunft kann man nicht passiv bleiben.
Es wird Zeit vom Sofa aufzustehen und mehr zu tun als sich bei Instagram zu präsentieren. Man braucht den Kopf für mehr als für ein schönes Gesicht.

 

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