Soziales: Die Flucht vor Verantwortung?

Heutzutage leben wir in unruhigen Zeiten. Die New York Times schreibt, dass wir am Ende der Ära der Anglo-Amerikanischen Ordnung stehen. Die Frage wird sein, wie sich in diesen neuen Zeiten die Welt weiterentwickeln wird und wo neue Impulse gesetzt werden. Die Times, genau wie die Washington Post, sehen im Aufstieg der rechten Bewegungen in den USA und der EU in Deutschland das „letzte Bollwerk“ der liberalen Welt. Gerade auf Angela Merkel wird viel Hoffnung gesetzt. Aber auch in Deutschland wird die AfD immer stärker. Wenn man sich die US-Wahlen genau ansieht und die Debatte, wie weit Russland und „alternative Medien“ zum Wahlerfolg von Trump beigetragen haben, so kann man in Deutschland ähnliche Entwicklungen sehen. CDU-Leute empfehlen teils offen, dass die UNION sich hin zur AfD orientieren und mit ihr koalieren soll. Die AfD wird durch ihre ständige Präsenz im TV immer mehr zu einem Machtfaktor in der öffentlichen Debatte und dies schlägt sich bei den Wahlerfolgen im politischen Einfluss nieder. Sascha Lobo warnt unterdessen im SPIEGEL, dass der Ruf nach einer autoritären Gesellschaft, der unter dem Kampfbegriff „Lügenpresse“ geführt wird, in Teilen der Gesellschaft an Boden gewinntMan sieht, dass auch in Deutschland die liberalen Errungenschaften mehr und mehr unter Druck geraten. Die FDP versucht zwar wieder eine liberale Position zu finden, doch kann sie, da sie vor allem den Markt im Auge hat, wenig Angebote schaffen, welche vielen Menschen eine politische Heimat und damit Wählerstimmen in Zeiten, wo der Status Quo in Frage gestellt wird, anbieten. Die SPD hat mit dem Verlust ihres sozialdemokratischen Profils und der Entwicklung zu einer Honoratenpartei, ähnlich der Anfänge der CDU in der Bundesrepublik, immer weniger politischen Einfluss, den sie selbst umsetzen kann. Sie ist auf die CDU angewiesen und Optionen mit den GRÜNEN und der Linkspartei zu koalieren werden von vielen Leuten kritisch gesehen. CDU und SPD sind aufeinander angewiesen, da gerade die GRÜNEN in Koalitionen mit der CDU es im Moment noch schwer haben einen politischen Alltag zu gestalten. Die GRÜNEN vertreten dabei vor allem die Interessen der Beamten und einer 1968iger Idee, welche bei denen in der Gesellschaft etablierten, aber nun auf den Status Quo bedachten Menschen abzielt. Als junger Mensch sich den GRÜNEN anzuschließen ist genau wie bei den LINKEN abzuraten, da diese über eine feste Ideologie verfügen und feste Strukturen etabliert haben, so dass man nur sehr schwer seine Ideen einbringen kann und Projekte umzusetzen in der Lage ist.

In diesen Fragen, wohin politisch die Reise in Deutschland und Europa gehen soll, wird unter jungen Menschen (noch) zu wenig diskutiert. Man möchte vor allem angepasst und „vernünftig“ sein. Politisches Engagement wird in Deutschland immer noch als etwas Verruchtes gesehen und man ermutigt Menschen, dass diese sich wenig wie möglich in den in den Augen vieler „dekadenten“ politischen Parteien beteiligen, weil es eh „hoffnungslos“ ist. Dieser Fatalismus ist ein Problem für den politischen Wandel und so können wenig neue politische Impulse gesetzt werden. Doch gerade heute ist es wichtig, dass man sich politisch engagiert und an den Debatten, wie es in Deutschland politisch weitergehen sollte und wie die Demokratie neue Impulse bekommt, damit sie gestärkt aus der Krise in der wir uns gerade befinden herauskommen, sicher zu stellen sein. Ein Problem ist jedoch dass diese Krise unsichtbar und schleichend ist. Vielen kommt es nicht vor, dass man in Zeiten des Umbruchs ist und man ist gerade zufrieden mit dem Status Quo. Gerade in der Zeit zwischen 30-40 Jahren ist ein erfülltes Sozialleben für die zukünftige Gesundheit wichtig. Daher ziehen sich viele ins Private zurück. Dabei sind wie der Kölner Stadtanzeiger meldet, die 30-40-Jährigen die „überforderte Generation“. Der Westen warnt, dass sich diese Generation „wie Kinder benimmt“. Das ist ein Problem, da so kaum Interesse an einem politischen Engagement vorhanden ist und wenn diese Aussage des Westens stimmt, dann können so wenig befriedigende Ergebnisse erzielt werden. Leider ist es so, dass gerade die 30-40-Jährigen aber die Impulse mit in der Gesellschaft setzen müssen und doch werden sie auch wenn sie politisch in Parteien Akzente setzen wollen, selten honoriert. Es hängt sicher viel vom sozialen Umfeld ab, wie man auch politisch nachher entsprechend agiert. Dass es in dieser Generation zu Problemen kommen kann, konnte man damals gut an den Flügelkämpfen der PIRATEN sehen. Da hat eine Gruppe versucht mehr durch „Happenings“ und wilde Theorien wo es im Kern mehr ums Ego, als die Sache ging, die politische Richtung für alle zu diktieren.

Dennoch sollte man nicht alle verteufeln. Es herrscht viel Potential in dieser Generation vor. Die PIRATEN haben dennoch das Problem, wenn die Berichte stimmen und die Generation so „infantil“ ist diese politisch aufzurütteln, um mit ihr zusammen ihre gemeinsamen politischen Ziele und Entscheidungen auf die politische Agenda zu bringen. Die Abwesenheit dieser Generation ist jedoch für sie ein Problem in Zeiten des rechten Aufstiegs und der Überwachung. Wenn sie jetzt immer noch passiv und in der „Spaßgesellschaft verbringen wollen“, werden gerade die 30-40-Jährigen in der Mehrheit zum Gefressenen der neuen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen werden.

 

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