Politik: Fehlt uns jungen Menschen der Mut zu eigenen Ideen?

Die PIRATEN in Island haben auf dem ersten Blick die direkte Sensation verpasst. Die konservativen Kräfte im Land können nach dem Wahlergebnis vielleicht erst einmal durchatmen. Genauso sieht es für den Rest des Westens aus, man kann (vielleicht) zu „business as usual“ zurückkehren. Die Unterzeichnung von CETA wird genau dies bestätigen. Man denkt, dass man die Kritik der jungen Generation am Status Quo erst einmal ignorieren kann. Für das politische System im Westen ist dies ein Fanal. Die bisherigen Eliten entfremden sich mehr und mehr von denen, die dem System ein Update geben wollen und es so gestärkt ins Zeitalter der Digitalisierung und des 21. Jahrhunderts bringen wollen. Statt dessen lassen sie es zu, dass die „Feinde der Demokratie“ die sich bei den Rechtsextremen in Europa und den USA sammeln, mehr Leute hinter ihre Fahnen versammeln. Es wird schwierig vorherzusehen sein, wie die Historiker der Zukunft diese Jahre, in denen viele Weichen für die Zukunft gestellt werden eines Tages bewerten werden.

Was sagen diese verwirrenden Zeiten für junge Menschen die mehr als nur funktionieren und angepasst sein wollen? – Wenn ich in meinen Freundeskreis schaue, stelle ich fest dass viele die den Status Quo kritisch sehen, sich an Parteien orientieren die bisher schon diesem kritisch gegenüber standen aber mit alten klassischen Rezepten die aus dem 20. Jahrhundert stammen dies bewerkstelligen wollen. Ich kann sie auf einer Seite verstehen, denn für viele in Deutschland sind die PIRATEN dank der Querelen die es in der Vergangenheit gab als „chaotischer Haufen ohne Plan und Ziel“ in Erinnerung geblieben. Im Gegensatz zu den GRÜNEN die damals zu ihrer Anfangszeit bis hin in die 1990iger Jahre ähnliche Debatten und Streitigkeiten hatten, nimmt man diese den PIRATEN mehr übel. Es kann sein, dass dies daran liegt dass die junge Generation mehr an Harmonie gelegen ist und man auf der einen Seite Streit und den Austausch von Ideen und Meinungen die teils erst einmal Dissonant wirken ablehnt. Dabei gehört dies gerade zur Demokratie und auch eine neue Idee braucht die interne Auseinandersetzung und die Debatte bis sie an Schärfe und Profil gewinnt. Wir jungen Menschen können nicht erwarten, dass man uns direkt eine fertige Idee vorlegt die wir nur noch überzustreifen brauchen. Wenn wir selbstständig sein wollen, müssen wir uns streiten und in der Lage sein Ideen aufzugreifen und sie zusammen weiterentwickeln, egal wenn der Weg manchmal steinig aussieht. Wir können nicht erwarten, dass Ideen und Leute von (vor-)gestern uns Konzepte für die Zukunft geben werden und wir bei ihnen diese erarbeiten können.

Harmonie ist sicher in diesen unsicheren Zeiten ein hehres Ziel, doch dürfen wir es nicht mit Angepassheit verwechseln. Abwarten und Schweigen während andere unsere Zukunft verbauen, darf nicht gegeben werden. Wir als junge Menschen bleiben noch länger auf diesem Planeten und wir müssen die Konsequenzen einer falschen Politik dann tragen. Wenn wir uns lieber ins Private zurückziehen wollen, vergessen wir dass am Ende doch die politischen und sozialen Weichenstellungen an denen wir (bewusst) nicht mitarbeiten wollen, uns in eine Welt entlassen mit der wir uns nicht identifizieren können und die für viele von uns dann nicht Lebenswert erscheint. Was nützt es mir wenn man als junger Mensch auf Instagram für seine Schönheit bewundert wird und am Ende doch in einer Welt lebt, die einem die Ideale die man sich erhofft mit Hohn straft? Wenn ich Freiheit im Netz suche und einen Platz wo man sich als junger Mensch entfalten kann und am Ende doch alles überwacht wird und so einem die Freiheit und der sichere Platz wo man streiten und diskutieren – ja sich selbst entfalten kann, vernichtet wird?

Wie soll eine Zukunft sein, wo man sich dem Markt nicht mehr entziehen kann und wo der Staat alles von einem weiß? Kreativität wird dann nur noch für gut befunden wenn sie „nützlich“ ist und man Wissen auch nach diesen Kategorien beurteilt. Wollen wir als junge Menschen wirklich in einer solchen Welt leben? Und wieso fehlt so vielen der Mut sich eigene Ideen zu machen und sich der Debatte zu stellen? Wenn wir jetzt schweigen, wird man uns nicht mehr Fragen. Wenn man als junger Mensch jetzt alte Leute immer noch für einen entscheiden und denken lässt ist man nicht mehr frei und kann kaum noch etwas verändern. Das aktiv sein wird so zum blinden Aktionismus und am Ende kommt man zu keinem Ergebnis.

Als junger Mensch sollte man alten Ideen und Ideologien auch wenn man gelernt hatte, sie seien gut immer kritisch sehen und sich eigene Gedanken machen. Man sollte auch nicht zurückschrecken sich der Diskussion zu stellen und bereit sein selbst in den Ring des politischen und gesellschaftlichen Wandels zu steigen. Eigene Ideen entwickeln und sie mit anderen abgleichen und weiterentwickeln ist für uns alle wichtig.

Man muss den Mut haben selbst zu denken und selbst kreativ zu sein. Wenn wir schweigen und altes Denken kritiklos übernehmen kann man keinen Wandel gestalten. Doch die Digitalisierung und das was kommen wird, genau wie die aktuelle Krise in der die Demokratie heute steckt braucht gerade uns und unsere neuen Ideen.

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