Soziales: Das System krankt und wir schauen zu – Psychiatrie und die Missbilligung der Freiheit

Wenn man sich mit Menschen unterhält was sie über die Welt der Psychiatrie wissen, so kommen meistens Vermutungen aber wenig Fakten zum Tragen. Wenig ist auch heute im aufgeklärten Deutschland so tabu wie eine psychische Erkrankung und dabei betrifft es so viele Menschen. Der Fall Gustl Mollath und andere Skandale zeigen, wie schnell Menschen die nicht in „das System“ passen schnell für psychisch Krank erklärt und weg gesperrt werden. Für die Betroffenen beginnt dann schnell ein Leidensweg und es ist schwer aus dieser Situation wieder heraus zu kommen. TV Sendungen berichten, wie auch Menschen denen eine vermeidliche Demenz durch vorschnelles Urteilen der Ärzte bescheinigt wird, gegen ihren eigenen Willen und den Willen der Angehörigen in das gleiche System fallen.

Ich hatte eine Zeit engen Kontakt mit Menschen, die in einer Wohngruppe für psychisch Kranke wohnen. Aus soziologischer Sicht war es interessant, weil viele dieser Menschen den Sozialarbeitern und Pädagogen dort ausgeliefert waren und diese den erwachsenen Menschen neben ihrer Bearbeitung ihrer individueller Probleme, sei es durch Sucht oder eben psychischer Erkrankungen eben auch „Ratschläge zum richtigen Umgang in der Gesellschaft und ihrer Orientierung in dieser“, mitgeben wollten. Dabei war es interessant, dass ein 50 Jähriger alter Mann der sich selbst sehr in den Mittelpunkt stellte und sich als Pädagoge bezeichnet den jungen Männern erklärte dass da sie über „wenig ökonomische Mittel“ verfügen und kaum Ausgehen können keine passende Partnerin außerhalb des psychiatrischen Systems finden können und sie auch durch ihre Erkrankung oder besser gesagt gewisser Defizite die ihnen das System anlastete jemand finden können mit dem sie ihr Leben verbringen können. Oft wurde auch bei Leuten die ein Leben führen, welches nicht den Klischees welche den Sozialarbeitern durch die Ausbildung beigebracht wurde schwer fiel in dieser Wohngruppe zu wohnen. Leute bei denen durch Twitter und andere Soziale Netzwerke gelungen war durch ihre individuelle Stärken Kontakte zu anderen Menschen herzustellen und dabei waren es manchmal sogar sehr renommierte Kontakte die sich leicht durch Google und andere Methoden verifizieren ließen, wurde diese Realität abgesprochen und ihnen gesagt dass sie doch unter gewissen Wahnvorstellungen leiden würden und man diese „Behandeln müsse“. Wenn Menschen die durch Hobbys oder andere Verpflichtungen dabei waren weitere Reisen zu machen und dabei mit anderen Menschen in Kontakt traten, wurde dies von Seiten der Einrichtung missbilligt. Man war nicht in der Lage die Regeln im Umgang mit den Finanzen die der Einrichtung übertragen waren so anzupassen, dass der Person wenn sie die Woche nicht anwesend war und es überprüfbar war wo die Person sich die Woche aufhalten wird, ihr das ihr zustehende Geld auszuzahlen geschweige da man sich nicht absprach und es ignorierte ihr für die Zeit die notwendigen Medikamente auszustellen, obwohl der zuständige Arzt die Reise im Rahmen der Gesundung befürwortet hatte.

Leute die anders waren wurden misstrauisch beäugt. Wenn man über ein gewisses fachliches oder soziales Wissen verfügt hatte und dazu noch die Entsprechende Kontakte hatte um gewisse Aussagen auf dem Gebiet der Soziologie und wie die Gesellschaft sich entwickelt und was dort für Faktoren eine Rolle spielen, überprüfte wurde es als Angriff auf die Autorität der Sozialarbeiter gesehen und man wollte dies nicht an die große Glocke hängen. Als Bewohner hatte man die Aussagen die auch schon unsachlich und verletzend waren nicht hinterfragen und sich von Fachleuten auf dem Gebiet eine zweite Meinung einholen. Sehr viel wurden auch Berichte über Personen geschrieben und Aussagen über das Verhalten der Person in anderen Institutionen abgegeben, welche einer einfachen Prüfung nicht standhielten und gegenüber Dritten falsche Aussagen abgegeben. Wenn man dies Ansprach wurde den Personen gegenüber dies Abgestritten obwohl die Person von der Person welcher die Mitarbeiter der Einrichtung eine gewisse Aussage in den Mund gelegt hatten, dies nachweislich nicht gesagt hatte. Es ist jedenfalls in manchen Einrichtungen so, dass die interne Kontrolle nicht wirklich gegeben ist und Druck auf Menschen ausgeübt wird dass sie nicht sich an externe Instanzen wenden können. Dabei wird dann auch versucht das moralische und soziale Denken der Personen so zu verändern, dass sie nicht mehr in der Lage sind ihre Rechte einzufordern. So wird versucht manchen Patienten einen Arztwechsel ohne Grund zu einem der Einrichtung genehmen Arzt „schmackhaft zu machen“ und verweigert man sich dem wird Druck ausgeübt. Wehrt man sich gegen diesen Druck und spricht Missstände offen an und weist auf die Widersprüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit hin versuchen manche Instanzen diese Personen von den anderen Bewohnern der Einrichtung zu isolieren und versuchen den anderen Bewohnern der Einrichtung ohne das Wissen des Betroffenen klar zu machen, dass der Umgang mit der „persona non grata“ nicht erwünscht ist und dies zu Problemen für den Bewohner führen kann.

Der Wirklichkeit entsprechend ist das, was die Betreuer als Maxime erheben und in manchen Einrichtungen was leider wohl die Regel ist, ist es so dass man es lieber sieht wenn die Bewohner nicht viel mit der Außenwelt kommunizieren und die Mitarbeiter als Mittelpunkt ihres sozialen Lebens sehen. So kann man eine gewisse Kontrolle und Abhängigkeit der Bewohner vom System herstellen, was widerum den Anspruch diese wieder gesundet und gestärkt in die Gesellschaft zu entlassen widerspricht. Faktisch ist das Leben in einer psychiatrischen Wohneinrichtung oft mit dem was unsere Gesellschaft als Lebenswert erachtet nicht gegeben und man akzeptiert auch da viele nicht wissen, was es genau bedeutet dass ihre Lieben und Angehörigen dem System ausgeliefert sind. Wenn ein 50 Jähriger Single Mann die Erfüllung seiner jüngeren Betreuten darin sieht, dass er mit ihnen einen Ausflug ins Rotlichtviertel macht, zeugt es mehr von seiner eigenen verschobenen Sexualmoral und ebenso zeigt es einen Abgrund in seine eigene Moral wenn er über die jungen Mitarbeiterinnen sagt, dass diese es leichter haben einen Mann zu finden wenn sie arm sind als es die Bewohner haben, die im Kampf um Liebe die „Restposten“ sind und alles sich auf der ökonomischen Schiene abspielt. Möglichkeiten sich aus dem System zu befreien sind in seinen Augen nicht gegeben und wenn man einmal in dem System ist, kommt man dort nicht mehr heraus. Kritisch ist es auch zu sehen, wenn man schnell Leuten Suchtproblematiken andichtet ohne dass es dafür Beweise gibt und sie bedrängt Therapien zu machen, obwohl die Berichte die ihnen Vorliegen dies nicht vermuten lassen und andere Faktoren die dem Bild nicht entsprechen generell nicht zur Kenntnis genommen werden.
Es ist oft in solchen Einrichtungen so, dass Leute die den Erwartungen der Sozialarbeiter nicht genügen oft unter psychischem Druck leiden, so kann ihnen der Umgang mit den anderen Bewohnern subtil versagt werden und dabei werden auch keine Informationen den Betroffenen mitgeteilt geschweige denn hat man eine Möglichkeit dagegen Einspruch einzulegen. Seine Menschenrechte werden oft an der Tür zu solchen Einrichtungen abgegeben und man hat wie beim Militär zu gehorchen. Dies ist eine Einstellung die zu sehr ins 19. statt ins 21. Jahrhundert passt. Das Internet und seine Möglichkeiten werden dabei als Gefahr gesehen, dessen Auswirkungen es zu minimieren gilt könnten die Bewohner doch über das Netz sich neue Kontakte und Möglichkeiten finden ihr Leben selbstständig in die Hand zu nehmen und man versucht die Digitalisierung an der Tür zu stoppen und redet sich ein, dass die Bewohner nicht in der Lage sind sich mit den neuen Medien und ihren Möglichkeiten „sinnvoll zu beschäftigen“. Schockierend ist dabei dass die Betroffenen so den Anschluss an das Leben in dieser Gesellschaft verlieren und selbst aus eigener Kraft immer schwerer den Weg ins Leben finden wodurch sich das System erhält. Für Liberale Parteien sollte daher diese staatliche und Institutionelle Bevormundung mündiger Bürger kritisch zu sehen sein und man sollte Konzepte neben der Aufklärung über Missstände im System zur politischen Agenda gehören. Leider ist es in Deutschland so, dass es noch ein Tabuthema ist was aber jeden betreffen kann und daher wichtig ist zu debattieren. Themen in der Politik kann man sich nicht aussuchen geschweige denn wie Helmut Kohl aussitzen und nur das Machen was einem genehm ist, will man authentisch bleiben.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Politik, Soziales abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s