Soziales: Digitalisierung und psychosoziale Einrichtungen – Eine neue Herausforderung

Wenn ein Großteil der Gründe wieso man heute arbeitsunfähig ist, drin begründet liegt dass man aufgrund von psychischer Erkrankung nicht mehr arbeiten kann, muss man sich fragen was kann man machen um dies zu verhindern. Eine weitere Frage ist sicherlich, wie kann man das System „Psychiatrie“ so verändern dass viele Menschen wieder selbstbestimmt leben können?
Es gibt viel Kritik an dem System und wie mit psychisch kranken Menschen umgegangen wird. Oft und besonders bei jungen Menschen wird versucht eine gewisse Erziehung umzusetzen und die Leute so gut es geht gesellschaftskonform zu formen. Betreuer und Sozialarbeiter haben oft ein gewisses Sendungsbewusstsein und meinen oft zu wissen, wie es für die Betroffenen Menschen am besten ist. Oft wird hier „von oben herab“ versucht den Menschen und seine Probleme zu behandeln und die individuelle Würde wird in dem System oft als Zweitrangig gesehen. Sachen die den Menschen individuell machen und wo der Mensch einige Stärken hat werden oft im Kontext seiner „Krankheit“ interpretiert. Interessant ist es, wo der Mensch nicht in das vorgegebene Bild, welches Psychologen und Sozialarbeiter von ihm haben passt, wird es oft als Wahn und als Problem seiner Krankheit gesehen die eventuell aberzogen und behandelt werden muss. Oft behandelt man die Symptome und ein gewisses gesellschaftliches Stigma im Turbokapitalismus nicht wie gewünscht funktionieren zu können, lässt die Menschen in eine Krise stürzen. Einige Sozialarbeiter gerade wenn sie ein gewisses Sendungsbewusstsein haben, versuchen den Menschen da er gesellschaftlich und ökonomisch nicht so funktioniert, wie sie es sich wünschen oft seine Würde und seinen „Wert“ der oft über die ökonomische Leistungsfähigkeit definiert werde zu bewerten. Dabei behaupten diese Leute, dass es daran liegt dass man den Betroffenen die „gesellschaftliche Realität“ näher „vermitteln“ will. In psychiatrischen Wohngruppen wird generell, da die Sozialarbeiter oft einem Milieu entstammen welches den GRÜNEN nahesteht, und oft noch in den wichtigen Positionen von vielen Leuten besetzt wird, welches den 1968iger und anderen alternativen Gruppen die sie Sozialisiert haben, oft wenn es sich um junge Menschen handelt die noch ihre Rolle und Funktion in der Gesellschaft suchen, verlangt die Werte dieser zu verinnerlichen die ihnen keinerlei Vorteile bietet und ihnen aberkannt, dass sie in der Lage sind die Situation in der sie sich befinden zu analysieren und wenn sie gewisse von der Struktur dieser Einrichtung erfüllte Vorgaben nicht erreichen, versucht wird mit Druck und teils psychischen Spielen der Ohnmacht bei den Betroffene den Menschen zur Erreichung dieser Vorgaben zu zwingen. Es ist gerade für Leute, die nicht dem „klassischen Bild“ der „psychisch Kranken“ entsprechen die nun einen anderen Habitus und andere Voraussetzungen haben als diejenigen die vor ihnen dieses System durchlaufen hatten, versucht an den Mainstream in diesen Einrichtungen anzugleichen. Natürlich ist es nicht überall so, doch es gibt Einrichtungen wo gerade durch „pseudosoziologische“ Methoden versucht wird Ziele zu erreichen, die die Mitarbeiter und die Leitung als von der Gesellschaft gewünscht interpretiert wird. Leider gibt es aktuell wenig soziologische Studien welche sich mit dem Thema beschäftigen. In diesen Einrichtungen wird versucht ein Gesellschaftsbild zu vermitteln und die Bewohner darin anzupassen, welches gerade durch die Digitale Revolution mehr und mehr ins Wanken gerät. Anstatt die Bewohner auf die neue Zeit vorzubereiten und ihnen es zu ermöglichen, gerade da sie hier im Rahmen der Wissensgesellschaft wenn sie in die Lage gebracht werden, eigene Wege zu gehen und neue Beziehungen zur „Welt da draußen“ zu knüpfen, wird oft aus einem paternalen Wunsch heraus, versucht diese Welt und das „digitale“ welches als Bedrohung für den Status Quo gesehen wird, soweit es geht außen vor zu halten. Die Mitarbeiter in diesen Einrichtungen stehen oft auch aus dem Milieu und den Werten die sie versuchen zu vermitteln diesen Veränderungen hilflos gegenüber und basierend auf ihrem Habitus wollen sie den „schädlichen Einfluss“ der Digitalisierung von ihren Betreuten fernhalten. Dabei nehmen sie an, dass sie besser als diese einschätzen können wie man mit dieser Welt umzugehen hat. In der Ausbildung und in der alltäglichen Arbeit werden oft nur die Schattenseiten der Digitalisierung wahrgenommen und eine gewisse Angst welche die Mitarbeiter vor diesen Veränderungen haben, überträgt sich oft auch auf den Umgang wie die von ihnen Betreuten mit diesen neuen Medien umzugehen haben. Problematisch ist jedoch daran, dass gerade da wo es um Leute geht die noch jung sind und die sich natürlicher mit diesen Medien beschäftigen und so in einen Konflikt mit den sie betreuenden Mitarbeitern geraten die diesen Medien und neuen Chancen feindlich gegenüber stehen. Sie sehen die Digitalisierung oft als eine „Flutwelle“ an, gegen die man möglichst viele Deiche errichten muss. Oft fehlen den Mitarbeitern auch die soziologische Ausbildung und der Instinkt zu erkennen, wie die Digitalisierung dabei ist neue Werte und neue Chancen und Methoden zu entwickeln von denen Betroffene profitieren können Wenn es einzelne Fälle gibt wo Bewohner solcher Einrichtungen durch ihre Bildung und mithilfe Digitaler Medien schaffen sich Netzwerke über die Virtuelle Welt aufzubauen, werden diese als Gefahr gesehen da sie die Macht der Sozialarbeiter bedrohen, da sie kaum in der Lage sind den Betroffenen in allen Facetten richtig einzuschätzen und oft versuchen Facetten die sie nicht verstehen als etwas Krankhaftes zu sehen.
Die Ausbildung und die Arbeit daher muss auf die Chancen und neue Methoden welche die Digitalisierung in die Arbeit in diese Milieu mit einbringt sicher beachtet werden und es wäre gut wenn es wissenschaftliche Untersuchungen geben würde, wie weit die Digitalisierung in dieser vielen Leuten doch unbekannten Welt, für Veränderungen hervor bringt. Dabei sollte beachtet werden wie weit es neue Wege zu beschreiten gilt und wie weit man den Betroffenen die immer mehr digitalisierte Welt als Möglichkeit ergibt sich zu emanzipieren, auch wenn es an althergebrachten Strukturen der Herrschaft wie es in manchen dieser Einrichtungen noch betriebenen Methoden und Arbeitsweisen zu rütteln beginnt.

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