Soziales: Krimkrise – Eine Zäsur für unsere Generation?

Die ZEIT fragt sich heute, wie die Generation die ab 1989 geboren ist nun damit klar kommt, dass eine Kriegsdrohung wieder neu durch Europa tigert. Dabei betrifft es auch indirekt meine Generation die Anfang der 1980iger geborenen. Wir waren klein als der Kalte Krieg tobte. Pershing und Co war für unsere Eltern interessant, doch für uns war es nichts. Wir haben zwar Flüchtlinge an unseren Schulen gehabt die aus Bosnien und dem Kosovo kamen, doch das war weit weg von unserer Realität.

Der 11. September war für uns ein Schock. Wir saßen an den Fernsehern und konnten unseren Augen nicht glauben. Wir dachten nun bricht der dritte Weltkrieg aus. Wir hatten nicht viel Vertrauen in G.W. Bush und gingen auf Demonstrationen gegen den Irakkrieg. Dabei hatten wir schon vorher Angst gehabt und vor dem 11. September dachte ich etwas schlimmes liegt in der Luft wenn ich sah wie die USA unter Bush dabei waren gegen die Regeln zu spielen und beim Spionageflugzeug welches die Chinesen vor dem 11. September abgefangen hatten, offen mit einer Kriegsdrohung gen Peking argumentierten. Wir waren die ersten die in einem Postmodernen Europa lebten und die Genüsse dieser neuen Welt aufsogen. Für uns waren Reisen nach Polen mit dem Schüleraustausch selbstverständlich und viele fanden es komisch wenn man die Debatte in den 2000ern hörte ob die Ukraine zur EU kommen soll. Für uns gehörte die Ukraine einfach dazu. Krieg war weit weg von uns. An der Universität beschäftigten wir uns mit den Nachwehen der Irak-Invasion und freuten uns darüber wie der arabische Frühling nun in der arabischen Welt überall Demokratien installieren sollte. Unsere Generation bekam oft zu hören, dass wir unpolitisch seien. Wir haben uns auf Netzpolitik konzentriert, da das Internet unserer Meinung frei sein sollte. Wir waren gegen eine Kommerzialisierung des öffentlichen Lebens und unsere Helden waren ATTAC und Anonymous. Russland war für uns weit weg. Dabei war es für Leute wie mich, die Politik studierten klar, dass es mit der Erweiterung der NATO auch Gegenbewegungen gab. Ein Blowback war für uns welche sich begannen mehr mit der Materie beschäftigten, die Gründung des Shanghai Paktes, doch auch an der Uni wurde uns gesagt, dass der Markt triumphiert und der Kapitalismus gesiegt hat. Dann kam die Krise und die bisherigen Lehrmeinungen an der Universität haben uns nicht mehr weiter geholfen. Dennoch sind wir international, und debattieren im Netz nach neuen Wegen, weil wir uns mit der Politik des Hedonismus unserer Eltern nicht identifizieren. Wir fühlten uns ohne Lobby in dieser Gesellschaft.

Wir wollen neue Wege gehen, doch ich fand immer dass die Machtpolitik immer wieder zurück gekehrt ist. Das 21. Jahrhundert erinnerte mich stark an das 19. Jahrhundert. Doch auch ich ging davon aus, dass Russland nichts machen wird, weil die EU nicht den Konflikt mit Moskau zu wagen scheint. Die Ukraine so nahm ich an, wird aus Rücksicht an Russland nie der EU beitreten, auch wenn ich es unfair fand und mir die jungen Leute in Lemberg leid taten, welche sich so sehr nach Europa sehnten. Auch sie wollten das was für uns selbstverständlich war und ihre Augen leuchteten, wenn ich ihnen sagte wie leicht es für uns Deutsche war nach London oder Paris zu fahren und Beziehungen zu Franzosen und Spaniern zu unterhalten.

Für mich war Krieg aber nie weg. Wenn ich mit meinem Freund Adama Sow an den wissenschaftlichen Werken schrieb, war der Streitpunkt unter uns ob Krieg ein Mittel der Politik sei. Er verneinte es und sah eine friedliche Lösung vor, während für mich Krieg in manchen Momenten eine logische Wahl war. So war ich für den Kosovokrieg und für die Invasion in Afghanistan und stand damit in meinem Freundeskreis alleine da. Nichts desto trotz wählte und engagierte ich mich bei der SPD und sympathisiere ich mit den Piraten. Auch wenn ich denke, dass die Piraten auf außenpolitischem Gebiet stärker sein müssen, da dies die Netzfreiheit direkt berührt.

Jetzt also die Ukraine. Wir stehen da und suchen nach Antworten. Die Politik kann uns im Moment nichts Wirkliches bieten. Sie ist hilflos und versucht irgendwie das neue System in der Ukraine mit Geld zu stabilisieren. Die Russen aber, werden über die Ukraine hinwegfegen und es erinnert einen irgendwie an Prag 1968. Krieg ist wieder real und die Machtpolitik ist zurück. Die Zeit wird zeigen, wie weit dies unser Lebensgefühl beeinträchtigen wird.

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2 Antworten zu Soziales: Krimkrise – Eine Zäsur für unsere Generation?

  1. Steinhagen Veteran schreibt:

    klingt als wären alle menschen in deiner vergangenheit dumm gewesen

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