Politik: Die Anschläge im Libanon und das große Ganze

Der Kampf in Syrien wird nun auch mehr und mehr im Libanon ausgetragen. Nun haben sunnitische Extremisten in Beirut in einem Viertel welches von der Hisbollah kontrolliert wird einen Anschlag ausgeführt. Ziel sollte wohl die iranische Botschaft im Libanon sein, die in diesem Viertel steht. Die Intention laut dem Bericht der Tagesschau war es wohl die Verbündeten von Syriens Präsidenten Assad zu treffen. Die radikalislamischen Sunniten sind wohl mehr und mehr vor dem Problem gestellt, dass Assad in Syrien die Oberhand bekommt. Auch der Westen ist von einem Regime change in Syrien abgerückt und will Verhandlungen mit dem Iran aufnehmen. In einem Interview hat der israelische Ex-Konsul in den USA zum Thema Iran gesagt, dass der Iran wenn er nun mit dem „großen Satan“ Frieden schließt auch auf den „kleinen Satan“ Israel zugehen kann. Er macht sich aber Sorgen, dass die USA sich aus der Region zurückziehen werden und der Iran zur Nuklearmacht mit dem Segen der USA werden kann.

Israel sieht dabei, dass die USA sich zurückziehen und ein Weigern von Washington sich stärker in Syrien zu engagieren, obwohl wie die Anschläge im Libanon zeigen, dass der Konflikt mehr und mehr auch auf die Nachbarländer ausstrahlt, zeigt dass der Westen kein Interesse mehr hat. Europa bekommt seine Ressourcen aus Russland welches wirtschaftlich auf Europa angewiesen ist und Europa ist sonst mit seiner EURO-Krise beschäftigt. Die USA wenden sich dem Pazifikraum zu und sehen Chinas aufstieg mit Sorge. Daneben werden sie dank Fracking bald Energieunabhängig sein, auch wenn die Umwelt dabei Schaden nimmt. China und Indien sind auf Ressourcen aus dem Nahen Osten angewiesen um ihre Wirtschaft am Laufen zu halten. Da ist es für die USA klar, dass sie diese Staaten nicht unterstützen werden, können sie doch auf lange Sicht zu Rivalen für Washington werden. Delhi und Peking sind aber noch nicht in der Lage und Gewillt Präsenz in der Golf-Region zu zeigen. Europa welches dabei zusah wie die USA sich in 2 Kriege in der Region verausgabt haben, bekommt militärisch allen Ankündigungen zum Trotz nichts konstruktives hin. Die Gelder in Europa fließen in die Banken und nicht ins Militär. Europa hat sich von klassischer Machtpolitik verabschiedet, ist vielleicht aber gezwungen dieses Spiel bald wieder selbst zu betreiben, anstatt die USA einfach das für sie erledigen zu lassen.

Zwischen Israel und den USA ist eine Mentalitätskrise entstanden. Tel Aviv sieht nicht, dass die Obama Administration ein ganz anderes Interesse in der Region hat und Israel und die Interessen der USA nicht mehr zusammen passen. Dies wird auf langer Sicht auch unter einer Republikanischen Administration der Fall sein, muss man sich doch gegen China wappnen. Die Demokraten aber entsprechen dem Zeitgeist in den USA und dort ist ein „Afghanistan-Trauma“ da, welches die Tendenzen beschleunigt, dass man sich aus dem Nahen-Osten verabschiedet.

Die Attentate im Libanon und der Bürgerkrieg in Syrien zeigen aber, dass der Bürgerkrieg mehr und mehr auf die Nachbarländer ausstrahlt. Der Iran wird jedoch weiterhin Assad unterstützen, da er Verbündete braucht, kann jedoch wenn es zu einer Einigung mit Washington kommt, den neuen Spielraum nutzen um sich von Damaskus zu verabschieden. Noch ist nichts geklärt und es bleibt abzuwarten wie es sich entwickelt. Für den Libanon besteht mit den Attentaten unterdessen die Gefahr, dass im Land ein Stellvertreterkrieg ausgefochten wird.

 

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2 Antworten zu Politik: Die Anschläge im Libanon und das große Ganze

  1. Mooks schreibt:

    Die USA werden sich auch weiterhin im Nahen Osten engagieren und die Sicherheit Israels garantieren. Das ist Staatsräson und wird es auch bleiben – selbst in der aufgeheizten Stimmung momentan besteht darüber weitgehend Konsens. Richtig ist allerdings, dass die USA nicht in der Lage sind Konflikte wie den in Syrien zu lösen. Dies liegt aber nicht am Unwillen der USA, sondern an der Machtlosigkeit der internationalen Gemeinschaft. Dies war auch in der Vergangenheit nicht anders. Ein Bürgerkrieg kann nur beendet werden, wenn es zu einer gemeinsamen Anstrengung der internationalen Gemeinschaft und der (regionalen) Großmächte kommt. Seit Ende des Kalten Kriegs hat deswegen die Anzahl der Bürgerkriege absolut auch (leicht) abgenommen.

    Die Verstimmungen zwischen Israel und den USA sind eher eine persönliche Sache zwischen Obama und Netanyahu und kein Anzeichen für eine Machtverschiebung im Nahen Osten.

  2. japan001 schreibt:

    Das wird sich zeigen ob es nur eine Unstimmigkeit ist oder ob die USA genrell weniger Interesse an der Region haben werden. Ich denke, dass der Syrienkonflikt nur gelöst werden kann, wenn alle Intreressenten an einen Tisch kommen. Dazu sind aber weder Assad noch die Opposition gewillt, welche dabei ist zu zersplittern und radikale Sunniten einen Krieg gegen die Alaviten führen. Wen die USA jetzt mit dem Iran reden und seinen Machtgewinn hinnehmen, zeigt es aber dass die USA gewillt sind am Golf neben sich eine andere starke Macht zuzulassen.

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