Politik: PR als politisches Kalkül

Wie man der Süddeutschen entnehmen kann, macht gerade das Video einer jungen Jemenitin die Runde welche sich gegen Zwangsverheiratung in dem arabischen Staat einsetzt. Dieses Video wurde in der arabischen Fassung weitaus weniger abgerufen, als in seiner englischen Fassung.  Hinter der Übersetzung ins englische steht das Middle East Media Research Institute (Memri) in Washington DC. Die Süddeutsche weist darauf hin, dass in diese Organisation Leute stehen, die eine politische Agenda verfolgen. Es werden in dem Bericht unter anderem Parallelen zur Kampagne zu einem Fall in Palästina gezogen, welcher die Intifada angeheizt hat.  Auch mag man sich noch an die Kampagne zu Kony erinnern, welche letztes Jahr für Wirbel gesorgt hatte und die USA dazu gebracht hat in den Konflikt in Afrika mehr Präsenz zu zeigen.
Es gibt Kritik an Memri. So wird ihm eine Nähe zum israelischen Militär und konservativen Amerikanischen Denkfabriken nachgesagt, wie der Artikel auf Wikipedia darlegt und sich auf einen britischen Journalisten bezieht.

Emanuell Todd weißt in „Weltmacht USA – Ein Nachruf“ darauf hin, dass die USA aufgrund der starken kulturellen Rolle der Frau sehr schnell in den Konflikt mit der islamischen Welt geraten kann. Er nennt zum Beispiel Berichte in der US-Amerikanischen Presse, wo ein Ziel der Angriffe des Westens in Afghanistan die „Befreiung der Frau“ aus dem paternalistischen System zu sein hat. Die „Kleine Zeitung“ vermeldet in dem Artikel zum Video das Kritiker des Videos darauf hinweisen, dass obwohl die Übersetzung des Inhalts des Videos korrekt ist, doch darauf hingearbeitet werden soll mit dem Video beim (westlichen) Zuschauer eine Bestimmte Agenda näher zu bringen.

Man will hier einen moralisch Überlegenden Westen schaffen, der seine universellen Werte global auch gegen den Willen des Anderen durchsetzt. Demokratie schafft man also indem man in diese Länder interveniert und von außen die Freiheit nach westlichem Vorbild in einer Kunstglocke überstülpt. Was soll nun passieren?

Politik in Demokratien wird durch die öffentliche Meinung gemacht. Auch wenn das Video traurig stimmen mag, muss man sich als Nutzer fragen, was sind die Konsequenzen meines Handelns? – Diese Gruppe um Memri wollte von außen auch den Irak demokratisieren und dann dafür sorgen, dass in einer Kettenreaktion all die anderen autokratischen Systeme in der arabischen Welt eine Demokratie nach westlichem Vorbild annehmen. So werden lauter Staaten entstehen, so die Hoffnung der Neokonservativen in der Bush-Regierung welche Israel und den USA freundlich gesinnt sind und so Konflikte welche gegen die USA gerichtet sind nicht mehr passieren. Die Realität sah jedenfalls anders aus. So ist der Irak jetzt nahe an den Iran gerückt und auch in Afghanistan haben sich keine stabilen und demokratischen Strukturen herausgebildet.

Demokratie im Nahen Osten kam nicht durch die USA sondern im arabischen Frühling hat die Bevölkerung selbst sich ihre Freiheit erkämpft, wenn man dieser Lesart folgen will. Dies ging auch obwohl die USA selbst passiv waren. Was Memri will ist, dass die USA wieder mehr Kontrolle über die Entwicklung im Nahen Osten gewinnt und mit einem Video welches direkt die Leute manipulieren soll, weil einem die Informationen fehlen wie man es einzuordnen hat, soll einer Veränderung des US Außenpolitik Vorarbeit geleistet werden.

 

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