Politik: Die Türkei am Scheideweg

Die ZEIT berichtet über Erdogans Optionen. Dabei ist nicht klar welche Option er wählen wird. Jedoch sagt die Zeit, dass sein Nimbus als Zuhause unumstrittener Regierungschef und die Stärke die er daraus in internationalen Verhandlungen und dem Parkett draus zieht vorbei ist.

Die Frage ist nun wie geht es in der Türkei weiter. Es muss ein Dialog her. Die türkische Öffentlichkeit die sich jetzt meldet will einen anderen Weg gehen, als es der Premier will. Ihr Unmut macht sich jetzt Luft und es sind vor allem die jungen Leute die Protestieren. Erdogan ließ so eine Meldung 17.000 neue Moscheen in der Türkei bauen. 

Leute die mehr der Religion folgen und ihre Laizistischen Landsmänner sind sich fremd. Mit den Protesten ist auch ein Kulturkampf ausgebrochen. Hat man am Anfang Erdogan noch unterstützt, weil er die Militärs in die Schranken wies, haben viele in der Türkei jetzt Angst, dass er ein neuer Autokrat wird. Auch dass er die EU nicht mehr als Perspektive sieht und die Türkei sich hin nach Osten hin zur arabischen Welt orientiert, lässt Erdogans Reforminteresse hin zu einer pluralistischen Gesellschaft sicher erlahmen. Ökonomisch geht es der Türkei gut. Das Land ist zu einem Vorbild in der Region geworden. Man hat in der Türkei noch weitaus mehr Freiheiten, als in anderen Nachbarstaaten. Doch sehen viele Menschen diese Errungenschaften jetzt in Gefahr. Man will keinen zweiten Iran oder eine defekte Demokratie haben. Der Staat regiert mehr und mehr in das Leben der Menschen herein. Das wollen sich die Menschen nicht mehr ´gefallen lassen.  Mit der Ergenekon-Affäre und dem anschließenden Verfahren hat sich Erdogan der alten Elite welche die Türkei so lange Dominiert hat entledigt.

Damals war er auf seinem Zenit. Jetzt beginnt sein Abgesang. Er steht vor einem Dilemma. Es geht den Menschen um Demokratie und um Freiheit im Privaten. Sie wollen nicht mehr gegängelt werden. Sahen sie Erdogan früher noch als Verteidiger dieser Werte an, der sich auch mit den alten Eliten anlegte, so ist er jetzt der Feind. Sein Respektloses Verhalten gegenüber den Protestierenden zeigt, dass er sich von den Leuten mehr und mehr entfremdet hat. Dies ist in einer Demokratie nicht gut. Der Bürger muss im Zentrum der Politik stehen, auch wenn es Politikern immer schwer fällt dies umzusetzen und sie dies auch in Deutschland gerne vergessen. Wenn die Menschen das Gefühl haben, dass sie sich nicht anders Gehör verschaffen können protestieren sie. Dies ist auch in Deutschland möglich. Die Proteste gegen ACTA haben gezeigt, dass auch hier die jungen Menschen inzwischen ihren Lebenstil gegen eine Regulierung von Seiten der Politik und Industrie verteidigen.

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2 Antworten zu Politik: Die Türkei am Scheideweg

  1. sirdoom schreibt:

    Nebenkriegsschauplatz mit Einfluß auf das Hauptgeschehen: Staatspräsident Abdullah Gül, der sich seit Wochen im Gegensatz zu Erdogan als vernünftiger und gemäßigter Gegenpol präsentiert. Wenn Erdogan „einknickt“/endlich merkte, dass seine Taktik nicht funktioniert, dann dürfte sich die AKP weiter an der Macht halten, gerade mit der Landbevölkerung im Rücken, aber das heißt auch, dass Erdogan politisch raus ist und Gül neuer Ministerpräsident wird.

    Wenn Erdogan aber so weitermacht wie bisher und die Lage weiter vor sich her kocht, dann stärken sie damit nur die restlichen politischen Kräfte und es wird arg knapp für die AKP, die sich dann gezwungen sehen könnte Erdogan aktiv abzusägen. Der Korruptionssumpf der dabei auffliegen wird, ist natürlich schon popcornreif.

    • japan001 schreibt:

      Ich denke auch, dass es weniger ein Protest gegen die AKP ist als gegen Erdogan. Die Leute wollen einfach nicht, dass es so weitergeht wie bisher, Ich denke, wenn Gül da weiter macht und Erdogan entmachten sollte dann wäre die Mehrheit der Demonstraten damit einverstanden. Wenn dann auch das politische Klima und die „schleichende Islamisierung“ beendet wird.

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