Politik: Rafsandschani kandidiert erneut – Chance auf politischen Wandel?

Iran (Persia) with Black, Caspian and Arabian ...

Iran (Persia) with Black, Caspian and Arabian seas around (Photo credit: Wikipedia)

Der iranische Ex-Präsident Rafsandschani kandidiert erneut bei den iranischen Parlamentswahlen. Er ist der Hoffnungsträger der liberalen Opposition im Land. Dabei gehört er zum politischen Establishment. Er steht aber für eine andere Politik und ist dem Status Quo kritisch gegenüber eingestellt. Viele Oppositionskandidaten haben um ihm bessere Chancen einzuräumen ihre Kandidatur bei den Wahlen schon zurückgezogen. Auf diesen alten Mann richten sich also die Hoffnungen der iranischen Jugend die nach Veränderung strebt? REUTERS meldet, dass jetzt viele Wild-Cards in der iranischen Präsidentschaftswahl zu finden sind. Denn auch die Konservativen haben noch einmal ihre Leute ins Rennen geschickt. Yasmin Alem ein in den USA beheimateter Experte von Irans Wahlsystem nennt Rafsandschani laut des REUTERS-Artikels eine Stütze des iranischen Systems, während Chatami ein Vertreter von Reformen ist.

Iran wird am 14. Juni 2013 sollte die Kandidatur von Rafsandschani durchkommen, eventuell vor einer Richtungswahl stehen. Es ist jedoch noch nichts über ein politisches Programm des Kandidaten bekannt. Er wird das islamische System des Iran nicht in Frage stellen. Rafsandschani ist kein Gorbatschow, der am Ende das System des Irans abschaffen wird. Im Iran ist es schwer für eine richtige Opposition zu Wort zu kommen. Die Systemfrage kann im Iran nicht gestellt werden und es sieht auch in nächster Zeit nicht so aus, dass sie gestellt werden wird. Dabei ist Irans Jugend desillusioniert. Sie haben im Land auch durch die schlechte Wirtschaftslage keinerlei Perspektive. Sie ist aber gut ausgebildet und viele junge Menschen wollen, dass sich die Lage bessert. Sie wollen Freiheit und das sie in der Lage sind ihren eigenen Weg im Leben zu gehen. Dabei steht ihnen die Tradition auch im Weg. Traditionen können im Iran nicht hinterfragt werden und gesellschaftliche Debatten können nicht geführt werden. Die iranische Jugend ist mit der Welt aber im Kontakt. Wenn man in der Öffentlichkeit sich nicht ausdrücken kann, zieht man sich in Parallelwelten und ins Internet zurück. Facebook bekam laut einem Artikel in Wikipedia eine zentrale Rolle im politischen Protest gegen die gefälschten Wahlen im Jahr 2009.

Daneben stellt der Artikel heraus, dass viele populäre iranische Blogs von Frauen geschrieben werden. Frauen wollen eine Veränderung des Status Quo. Frauen beteiligen sich an sozialen und politischen Debatten im Iran und hinterfragen ihre traditionelle Geschlechterrolle. Die Jugend im Iran will eine Veränderung und Verbesserung ihrer Lebenssituation. Diese Hoffnungen richten sich nun auf Rafsandschani der in den Augen vieler, die Möglichkeiten hat etwas im Iran zu verändern.  Ob er es schafft Präsident zu werden bleibt abzuwarten. Doch dann wird es wieder zu Protesten kommen und diesmal haben die jungen Iraner das Vorbild des „arabischen Frühlings“ sicher vor Augen.

Ich will auch hier mal auf diese 2 wissenschaftlichen Artikel aufmerksam machen.

Evgeny Morozov: „Iran: Downside to the „Twitter Revolution“ in: Dissent Vol. 56 No. 4 Fall 2009 S. 10-14

Nasser Rabbat: „The Arab Revolution Takes Back the Public Space“ in: Critical Inquiry Vol. 39, No. 1 Autumn 2012 S. 198-208

 

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