Soziales: Rollenspiele das Hobby eines bestimmten Milieus?

Ich werde und wurde oft gefragt was sind Rollenspiele. Wieso habe ich dieses komische Hobby? Ich spiele Shadowrun und ich muss sagen in meiner seit 15 Jahren dauernden Aktivität im Pen und Paper Bereich ist mir eines Aufgefallen. Ich habe mit Gymnasiasten und Gesamtschülern gespielt und unzähligen Studenten. Die meisten von meinen Mitspielern waren männlich, auch wenn ich in einer reinen Frauengruppe schon gespielt habe. Es waren eigentlich keine Leute aus dem materialistischen Milieu anwesend und von Anhängern eben dieses wurde und werde ich gefragt wieso ich es eigentlich mache. Sonst kommen die üblichen Verdächtigen die man kennt, wie eben ältere Leute. Die Frau meines Vaters eine Lehrerin, findet mein Hobby zum Beispiel grauenhaft und riet und rät mir mit Nachdruck etwas „normales“ und wohl „sozial akzeptiertes“ Hobby zu suchen.

Mir ist aufgefallen, dass Rollenspieler heute sehr gut vernetzt sind. Sie sind im Internet sehr aktiv und ich habe in Onlinespielen wie OGame Rollenspieler gefunden, die aber auch sich aus einer Bestimmten Schicht rekrutierten. Als OGame größer und Massenkompatibler wurde, haben die neuen Spieler gewollt, dass der Rollenspielanteil im OGameforum reduziert werden sollte. Jetzt stelle ich die These auf, dass OGame als es wuchs neue Schichten anzog, denen es vor allem ums Konsumieren ging. Eine Intellektuelle Art in irgendeiner Form war ungewohnt und unerwünscht. In meinem Rollenspielladen in Bochum sind allerlei interessante Leute zu finden, sie zeichnen sich aber soweit ich es mitbekommen habe durch eine kulturelle Bildung aus, auch wenn sie nicht unbedingt in ökonomisch anerkannten Berufen arbeiten. Aber diese Leute verfügen wie es Pierre Bourdieu genannt hat über einen anderen Habitus und über kulturelles Kapital. (eng. Symbolic capital)

Unterscheidet dieser Habitus und vor allem die den Rollenspielern universell eigenen Codes, die Anhänger besonders von den Rollenspielern welche am PC sitzen und mehr Sachen wie World of Warcraft spielen, was Gesellschaftlich auch geächtet wird, weil man es nicht versteht. Ich würde mich über eure Meinung zu dem Thema freuen.

EDIT: Hier findet man eine Statistik über die Soziale Struktur von Rollenspielern, leider gibt es da keine Details welche Bandbreite sie hat und wie sie an die Daten gekommen sind. Den Blog zur Statistik kann man hier finden. Eine soziale Analyse zur Szene der Rollenspieler findet sich auch hier.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Shadowrun, Soziales abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

22 Antworten zu Soziales: Rollenspiele das Hobby eines bestimmten Milieus?

  1. Roger Lewin schreibt:

    Wenn ich mich so umsehe, wer in meinem Umfeld Rollenspiele spielt, ist das immer der gebildete und kulturell geprägte Mittelstand und höher. Demzufolge würde ich die These unterstützen.

  2. Jan schreibt:

    Mir schien es so, dass eine leichte Wertung bei der Einstufung mitschwingt. Und was ist das erwähnt „materialistische Milieu“?

    Zum eigentlichen Thema: Rollenspieler scheinen meist besser gebildete Leute zu sein. Das ist mir auch aufgefallen. Das ist aber auch die einzige Gemeinsamkeit, die mir aufgefallen ist. Aber woher das kommt, kann ich nicht sagen.

  3. Teylen schreibt:

    Der übliche selbstverliebte Profilierungs Versuch des Rollenspiel als Tätigkeit eines gehobenen, elitären und natürlich intellektuellen Milieu.

    Die eigenen Erfahrungen werden ohne ernsthafte Belege auf alle Beteiligten der Rollenspielszene übertragen. Natürlich wird für das Gesamtbild des intellektuellen Rollenspielumfeld Gymnasiasten sowie Studenten angeführt und großzügigerweise Personen von Gesamtschulen mit zugerechnet. Das die Datenerhebung zum Bildungshintergrund vermutlich unvollständig ist wird ebenso ignoriert wie entsprechende Haupt- oder Realschüler übergangen sowie arbeitende Rollenspieler außen vorgelassen. Unangenehme Überlegungen wie die Frage ob man weniger mit diesen spielt weil der Milieu Unterschied einer Zusammenkunft im Wege geht werden ignoriert. Stört ja nur wenn man den eigenen elitären Status versucht zu festigen.

    Gleichsam wird attestiert das Personen aus materialistischen Milieus, Lehrer, „alte“ Personen -vermutlich alles jenseits der 30 oder 40 – sowie die Masse in der Form des Mainstream sich vom Rollenspiel respektive den Rollenspiel-Milieu der intellektuellen Gymnasiasten, Studenten und anderer hochgebildeter Personen abgrenzt. Anschließend werden die eigenen Vorurteile bezüglich der ausgegrenzten Milieus gefestigt und die These aufgestellt das wenn schon ein arbeitender Mensch Rollenspiel spielt dieser sicherlich über eine hohe kulturelle Bildung verfügt und / oder zumindest einen total ungewöhnlichen, unangepassten Beruf hat.

    Natürlich erfolgt dann gleich der Beifall, weniger weil es ein Fakt ist, als das Selbstbild vom elitären Rollenspiel Milieu derart gefällig ist und das eigene Ego streichelt.
    Da werden auch ganz offensichtliche Widersprüche ignoriert, wie der Konflikt das das vermeintlich Kultur und Intellektuellen feindliche Rollenspieler ablehnde Milieu offenbar wohl auch Lehrer enthält. Würde ich einwerfen das ich bei einem Finanzunternehmen arbeite oder eigene Erfahrungen anbringen (hinsichtlich spielenden Juristen, Personen ohne höhere Bildung) würde es wohl die Ausnahme von der Regel genannt.

    Da noch schnell ein paar Links zu Wikipedia, damit die elitären Rollenspieler auch zu würdigen wissen wenn man vom Habitus und kulturellen Kapital spricht, rein für den Fall das sie aller hohen Bildung zu trotz die Begriffe nicht zu ordnen können, und zack, ist die Bauchpinselei des Ego rund.

    • japan001 schreibt:

      Hi ich hatte jetzt nicht vor Rollenspiele ale eine elitäre Sache zu beschreiben. Ich habe nur festgestellt aus eigener Erfahrung das eben die meisten Spieler mit denen ich gespielt habe einen gewissen Bildungsgrad haben. Vielleicht ist es auch daher weil ich meistens in einem bestimmten Milieu bewege und von da mir dann auch die Leute suche mit denen ich ein Rollenspiel spiele.
      Ich hatte jetzt überlegt ob man es verallgemeinern könnte und hab daher diese zugegebene Provokante These aufgestellt.

      • Teylen schreibt:

        Der Aspekt das die Wahrnehmung darauf basiert das man sich in einem bestimmten Milieu bewegt und dementsprechend Kontakte aufnimmt und kultiviert findet sich nur (leider) nicht im Text.
        Nun und die These kann durchaus als provokant bezeichnet werden. Was aber nicht unbedingt heißt das sie so unwidersprochen stehen bleiben sollte beziehungsweise nachdem Motto „Das muß man mal sagen!“ gar wahr ist.

        Als anderer Aspekt erscheint mir die Betrachtung des eigenen Milieu selbstverliebt. Man spielt natürlich nur mit Personen die einen gewissen Bildungsgrad haben. Was Milieus gegenüber denen man sich abgrenzt implizit abgesprochen wird. Unabhängig davon ob es sich dort um Lehrer, Doktoren, Diplom Ingenieure oder auch nur Personen aus dem materialistischen Milieu handelt. Wobei ich mich weiterhin frage was das „materialistischen Milieu“ den nun tatsächlich sein soll,

        • japan001 schreibt:

          Ich habe das Mileu mal verlinkt. Ich denke, dass es vor allem dadurch zu erklären ist dass man sich in seiner Freizeit mit Leuten trifft die man kennt. Diese wiederum bewegen sich in gleichen Mileus wie jemand selbst. Da ich mich in einem Mileu bewege wo vor allem Studenten etc zu finden sind, sind für mich die Gefühlte Mehrheit der Rollenspieler Studenten. Es muss aber nicht so sein. Ich habe mit Absicht in dem Text es verallgemeinert weil ich wissen wollte gibt es einen sozialen Zusammenhang zwischen Rollenspielern und einem höheren Bildungsgrad, bedingt sich das eurer Meinung sogar? Oder ist es nur „Zufall“.

  4. Gondrino schreibt:

    Also bei mir in den Gruppen ist eher eine breite Auswahl aus vielen Schichten, vom Langzeitberufslosen bis zum Promovierten, knapp die Hälfte hat kein Abitur, also eher nicht der Klischee-Rollenspieler…

  5. foobaer schreibt:

    World of Warcraft Rollenspiel? mh, jeder erlebt die selbe Geschichte mit wenig Einfluss auf Spielwelt und Handlung…

    • japan001 schreibt:

      Ich habe es mal etwas provokant mit eingebunden,. Man könnte es auch durch Diablo 2 ersetzen, weil in Zeitschriften wird dies dann als „typisches“ Computer-Rollenspiel gesehen.

  6. Annika schreibt:

    Ich kann von meiner Erfahrung sagen dass (manche) Rollenspieler eher bereit sind, mal über den eigenen Tellerrand zu blicken. Oftmals habe ich vielseitig interessierte Leute getroffen, die Pen&Paper betreiben und die zum Beispiel für ihre Charakterhintergründe geschichtlich recherchiert haben, damit auch alles zusammenpasst. Klar, das ist nicht bei allen so, aber zumindest ich kann dahingehend nur positives berichten. Ich weiss nicht, ob ich sagen würde dass Rollenspieler intelligenter sind – sie sind vielleicht interessierter und verfügen daher über mehr Allgemeinwissen.

  7. Uwe schreibt:

    Ich bin nicht sicher, ob eine solche Differenzierung zwischen (P&P-) Rollenspielern und Computerrollenspielern möglich ist, da es eine sehr große Schnittmenge zwischen beiden Gruppen gibt. Das Verhalten der Rollenspieler passt sich dem ihn gerade umgebenen Milieus an. Er verhält sich bei Computerrollenspielen anders, als in der P&P-Runde. Ich denke, diese Differenzierung wird von sachfremden Erwägungen getragen, nämlich der oberflächlichen Perspektive (P&P als Würfelgesellschaftsspiel; Computer-Rollenspiel als süchtig machendes Ballerspiel) , Während P&P bei näherer (aber immer noch oberflächlicher) Betrachtung was für Freaks ist, werden Computer(Rollen)Spiele medial hauptsächlich unter dem Suchtaspekt oder als Quelle für Amokläufe behandelt (Shadowrun mag hier eine Sonderstellung einnehmen, da es hauptsächlich um die Planung und Durchführung von Verbrechen geht.). Daher dürfte die gesellschaftliche Ächtung für Computerrollenspieler wesentlich höher sein.

    Was einen Habitus der Rollenspieler angeht, denke ich das Elias mit seiner Definition etwas näher dran ist als Bourdieu. Lebenstil, Kleidung, Sprache usw. werden idR. eher durch andere Faktoren Einkommen, Elternhaus, Musik usw.) geprägt. Allenfalls haben Rollenspieler gemeinsame Gewohnheiten, zB. besseres Rollenspiel durch Vermeidung von OT-Begriffen/ -Blasen. Nur über Detailfragen können Unstimmigkeiten entstehen. Allerdings beschränkt sich dieser Habitus auf das Rollenspieler-Umfeld. Ein generelles Habitus des Rollenspielers, außerhalb des Rollenspiels habe ich insoweit noch nicht festgestellt.

    Die Verbindung zwischen Bildung und ökonomisch anerkannten Berufen ist meines Erachtens nicht zwingend. Wo ich allerdings zustimme, ist die überdurchschnittliche Bildung des Rollenspielers, zumindest in den dem Rollenspiel nahen Wissendisziplnen.

  8. japan001 schreibt:

    http://othes.univie.ac.at/18619/ Dieses Werk beschäftigt sich mit den sozialen Interaktionen in einem Onlinerollenspiel. und dieser Blogbeitrag im SozBlog über den sogenannten NERD. http://soziologie.de/blog/?p=2124 ich denke, dass man den Pen und Paper Rollenspieler grundsätzlich mit in diese Kategorie stecken kann, da es überschneidungen gibt. Ich habe jetzt kein Werk über die Grundliegende Soziologie eines Pen & Paper Rollenspielers gefunden, was sicher interessant wäre.
    Ich habe diese These ja als Frage formuliert. Ich denke, dass es sicher gewisse Merkmale gibt die Pen und Paper Rollenspieler gemeinsam haben doch der Bildungsgrad und die ökonomische Kraft sind dabei sekundär. Es ist jedoch so, dass eine gewisse Bildung und das Leben in einem Milieu welches die Kreativität unterstützt für Rollenspieler förderlich sind.

  9. Stahlseele schreibt:

    „Die Frau meines Vaters eine Lehrerin, findet mein Hobby zum Beispiel grauenhaft und riet und rät mir mit Nachdruck etwas „normales“ und wohl „sozial akzeptiertes“ Hobby zu suchen.“

    Spiessertum par excellance, ich dachte das wäre mittlerweile mal ausgerottet . .

  10. Christian schreibt:

    Meiner Erfahrung nach ist weniger der Bildungsstand als die Offenheit für Neues, Toleranz und ein gewisses Außenseiterdasein als Jugendlicher ein besonderes Merkmal der P&P Rollenspieler.
    Während sich meine Klassenkameraden und die meiner Mitspieler in der Regel zum Fußball und später zum Kneipenbummeln getroffen haben, haben meine Mitspieler sich mit anderen Außenseitern/Leseratten/Unsportlichen/Ticks-habenden/Legasteniker/Stotterer getroffen und Indoor Spiele gespielt. Am Anfang vielleicht Heroquest und später dann DSA. Weil viele Rollenspiele nur in der Originalsprache erscheinen ist vielen Rollenspielern die offen für Neues sind auch eigen daß sie Fremdsprachen zumindest verstehen können (meist Englisch) . Die meisten P&P Rollenspieler sind inzwischen auch jenseits der 30 und viele von uns ziehen gerade die nächste Generation Geeks auf. Die Geeks von damals sind erwachsen geworden und die Geeks von morgen werden’s ein bißchen einfacher haben weil ihre Eltern mit Videospielen und Star Trek aufgewachsen sind. Traditionsgemäß haben wir uns aus Randgruppen rekrutiert die zumindest Fantasie hatten, in Zukunft werden wir eine breitere Rekrutierungsschicht haben weil jeder zumindest mal Mass Effect und Co. gespielt haben wird. Und wer dann immer noch auf uns herabschaut ist einfach einer von denen für die alles abnormal ist was sie nicht selber sind.

    • SCARed schreibt:

      Das mit den Außenseitern stimmt aber auch nur in einem begrenzten Umfang. Bei mir war es damals so, dass wir schlicht im Freundeskreis damit angefangen haben, nachdem zum einen ein großer Bruder mit sowas (auch in Romanform, IIRC „Der Scharlatan“ von DSA) um die Ecke kam und natürlich auch Erfahrungen zu RPG durch den PC bestanden (DSA, Wizardry, …).
      Wir waren aber im Grunde alle zusammen keine Außenseiter, sportlich sehr aktiv und super ins (Schul-)Kollektiv integriert. Spätestens an der Uni zeigte sich aber schon, dass der „Nerd“-Faktor bei P&P-RPGlern höher ist (soweit man bei Maschinenbauern von solch einer Differenzierung überhaupt sprechen kann … ^^).

      Das mit der nächsten Generation sehe ich aber ähnlich wie du, da werden ziemlich viele einfach schon mal grundlegenden Kontakt mit irgendeiner Form von RPG gehabt haben, selbst wenn es nur sowas wie WoW oder Mass Effect ist. Zumindest dürfte die Zahl der „Extremspießer“, die bei Rollenspiel sofort in irgendwelche satanistischen Richtungen denken, geringer werden

  11. japan001 schreibt:

    Aber diese Leute sind auch ein anderes Mileu. Die Mitglieder eines Mileus sind nicht nur am Einkommen oder am Bildungsstand festzumachen. Es gibt mehrere Faktioren die dazu sprechen und diese Vertreter welche du nennst fallen durch eine gewisse Bildung und Kulturellen Kapital auf. Durch ihren Habitus unterscheiden sie sich schon von anderen Mitgliedern ihrer Berufsgruppe beziehungsweise Leuten ihres Abschlusses.

  12. japan001 schreibt:

    @Roger Lewin das glaube ich auch

  13. Pingback: Meinung Rollenspieler ein eigenes Milieu? - RPG Foren

  14. Zeitzeugin schreibt:

    ist… das eine Parodie? Bin hin- und hergerissen, einen bissigen Artikel darüber zu verfassen 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s