Soziales: Wie Dikaturen das Leben versauen

Ich schreibe zusammen mit einem Exil-Iraner an einem Buch. Wir haben es sogar de facto fast fertig. Es ist eine Analyse über Vertrauen im Großen wie im Kleinen. Unsere These ist, dass im aktuellen Atomstreit mit dem Iran, die Abwesenheit von Vertrauen auf beiden Seiten das Hauptproblem ist.

Eine Diktatur schafft kein Vertrauen. Die Bevölkerung hat kein Vertrauen in die Institutionen des Staates in dem sie leben. Dazu gehen wir in unserem Buch „Don’t attack Iran“ näher drauf ein. Es ist noch nicht im Handel und ich kann auch nicht sagen, wann es heraus kommt. Aber es war doch interessant wie sich unsere Hauptthese heute wieder bestätigt hat. Das Gift des Misstrauens sickert in die Herzen und Köpfe auch der Exiliraner ein. Mir ist es eigentlich egal. Doch heute gab es wieder ein Gerücht, dass man mich ausbooten will und dann das Buch ohne mich heraus kommen soll. Das ist natürlich Quatsch. Dieses Gerücht gab es schon vor einem halben Jahr. Und es kam wie immer von Exil-Iranern die das eine oder andere Gehört haben. Und da kein Vertrauen besteht, wird es sofort für bare Münze genommen und direkt weiter erzählt.

Gerüchten traut man halt eher als Fakten. Sie sind so schön bequem. Sie bieten einfache Erklärungen und da alle im Staat korrupt sind oder besser als solche wahrgenommen werden, überträgt man es auf die ganze Gesellschaft. Man hat kein Vertrauen in den anderen. Dies ist natürlich staatlich gewollt. Wenn die Zivilgesellschaft sich nicht vertraut kann auch keine echte Opposition entstehen. Der Mangel an Vertrauen verhindert eine echte Kooperation von gesellschaftlichen Kräften die gegen das Establishment arbeiten. Es verhindert auch einen echten Austausch von Ideen. Denn statt das man über die Ideen diskutiert, analysiert und verschwendet man seine Energien darin zu schauen was der Gegenüber für Vorteile in einem neuen System hat, die man selbst nicht hat. Der andere wird als Feind wahrgenommen. Ein wissenschaftlicher Artikel über Eliten und ihre Kontinuität nach dem Ende der DDR geht auch auf das Vertrauen in diese ein.Man hatte kein Vertrauen in die Eliten die Vorhanden waren. Man importierte wo es möglich war die Eliten aus dem Westen.

Auch ist es in den neuen Bundesländern so, dass man sich mit einfachen Erklärungen und Verschwörungstheorien leichter zufrieden gibt um komplexe soziale Debatten und Ereignisse zu verstehen. Natürlich ist es auch in Westdeutschland so. Ich weiß aus meiner Zeit in Online Communities, dass viele User und auch Teamler kein Vertrauen in die Eliten in den Teams der Spiele hatten. Transparenz war selten erwünscht und auch vom Betreiber einiger dieser Spiele nicht in dem Maße möglich durchzuführen wie es manche gerne gesehen haben. Ich hatte vieles nicht verstanden bis ich selbst Admin in einem dieser Spiele wurde. Es ist schon lange her und man kann eine gewisse Transparenz nicht hergeben. Als wir damals durch ein Unschönes Ereignis einen Großteil des bestehenden Teams vor die Tür setzen mussten, nannten wir Ausführlich die Gründe. Man traute uns aber nicht. Man gab sich mit einfachen Erklärungen zufrieden und traute mehr Gerüchten. Eine Anekdote mit einem Mitglied das wir im Rahmen dieser Ereignisse vor die Tür setzen und später rehabilitierten, und der durch mich zum Admin wurde, war dass ich ihm sagte er soll sich die Beweise ansehen. Wir hatten für den Betreiber und andere Admins damals alles protokolliert. Der neue Admin war geschockt und sagte mir, dass er es nicht wusste. Wir hatten damals transparent gehandelt und alles auf den Tisch gebracht. Er sagte mir, dass ja alles stimmte. Wir gewannen im Laufe der Zeit durch unsere gute Arbeit das Vertrauen wieder und schafften es durch großmöglichste Transparenz unsere Community mit unserer Arbeit zu versöhnen und sie für uns zu gewinnen. Man gewann so Vertrauen mit einer Elite. Auch wenn wir nicht demokratisch legitimiert waren.

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